Die in den Wäldern von Zentral- und Westafrika heimischen Waldelefanten tragen einen erheblichen Teil im Kampf gegen die Klimakrise bei.
Fabio Berzaghi, Forscher am Labor für Klima- und Umweltwissenschaften (LSCE-CEA) in Frankreich erklärt, dass Elefanten die Biodiversität stärken und die tropischen Wälder dazu bringen, mehr Kohlenstoff zu speichern und dabei Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre binden.

Landschaftsgärtner Elefant

Der nährstoffreiche Dung der grauen Riesen enthält Baum- und Strauchsamen, die so über große Distanzen verteilt werden. Dieser Dung dient als Nahrungsmittel und Unterschlupf für unzählige Kleintiere und ist zudem ein ergiebiger Dünger für den Waldboden. Bei ihren langen Wanderungen befreien die Elefanten die Wälder auch von wucherndem Gebüsch und Unkraut. Die Bäume, die bereits stark genug sind um gegen die Unkrautjätung durch die Elefanten zu bestehen profitieren von mehr Platz sowie einem besseren Zugang zu Wasser und Licht, was sich positiv auf ihr Wachstum auswirkt.
Je größer ein Baum, desto mehr CO2 kann er binden und Sauerstoff produzieren. Fabio Berzaghi erklärt: "Elefanten tragen dazu bei, dass die afrikanischen Tropenwälder gesund bleiben." Die Analyse "Die geheime Arbeit der Elefanten" des "Internationalen Währungsfonds" (IWF) habe das klar aufgezeigt; Waldelefanten gestalten ein Ökosystem mit, welches langsam wachsende Laubbäume, die viel Sauerstoff produzieren, begünstigt.
Im Falle eines Aussterbens der Waldelefanten drohe der zentralafrikanische Regenwald bis zu drei Milliarden Tonnen Kohlenstoff zu verlieren - eine enorme Belastung für die Umwelt, warnen Klimaexperten. Eine Erholung der Elefantenpopulation würde indes zu einem großen Plus bei der Aufnahme von Kohlendioxid führen, erläutert Berzaghi weiter. Ein großes Fragezeichen steht jedoch hinter der Frage, wie lange die Waldelefanten noch weiter zum Klimaschutz beitragen können, denn sie sind extrem gefährdet. Die Tierschutzorganisation "Future for Elephants" zeigt auf, dass es nur noch etwa 35.000 bis 40.000 der grauen Riesen gibt. Zum Vergleich: Im Jahr 1970 waren es noch etwa zwei Millionen.
Heike Henderson, Vorstandsmitglied von "Future for Elephants" erklärt, wieso ein Fortbestehen der Dickhäuter so essentiell ist: "Würden die Elefanten aussterben, hätte das fatale Auswirkungen auf die Stabilität des gesamten Ökosystems." Viele Faktoren tragen zur Bedrohung der Tiere bei: Verlust von Lebensraum, Abholzung, Wilderei und illegaler Handel mit Elfenbein.

Begehrtes Elfenbein

Im Jahr 2019 wurden 42,5 Tonnen von afrikanischem Elfenbein beschlagnahmt, traurige 30 Prozent mehr als im Jahr davor, berichtete die Artenschutzorganisation "Traffic". Asien ist der Hauptabnehmer, doch auch in Europa floriert das Geschäft. Ein "WWF"-Bericht aus dem Jahr 2018 erklärt, dass die Menge des illegal geschmuggelten Elfenbeins in der EU das legal gehandelte um ein Vielfaches überragt.
Im Frühling dieses Jahres setzte die Weltnaturschutzunion den Waldelefanten auf die Rote Liste der bedrohten Arten. Dort wurde der Waldelefant in die Kategorie "vom Aussterben bedroht" gegliedert, die höchste der drei Gefährdungsstufen. Auch der Artgenosse des Waldelefanten, der Savannenelefant, wurde als "sehr stark gefährdet" eingestuft. Bisher wurden die Arten in der dritten Kategorie als "gefährdet" gelistet.

In den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo kämpft Adams Cassinga, Leiter der Organisation "Conserve Congo", um das Überleben der noch verbliebenen Waldelefanten. Rund um die Uhr widmet sich sein Team der Suche und Verfolgung von Wilderern und Händlern. "Jeden Tag erhalten wir neue Berichte über Wilderei. Die Wilderei boomt", sagt Cassinga. Erst kürzlich half "Conserve Congo" dabei, fünf Elfenbeinhändler zu überführen. Insgesamt überträfen die Verluste die Erfolge. "Wenn nicht bald etwas passiert, haben wir in höchstens zehn Jahren keine Waldelefanten mehr." (dpa)