Nordelta ist eine der renommiertesten bewachten Wohnanlagen in Argentinien - inmitten "ruhiger Natur", wie es auf deren Homepage heißt. Extravagante Villen und Grundstücke sind nicht nur eine Verlockung für Einbrecher, sondern auch eine Einladung für die lokale Fauna, die Capybaras.

Diese sehen aus wie mit Anabolika gefütterte Meerschweinchen und sind in den letzten Wochen vermehrt zur Plage geworden: Sie greifen Hunde an, zerstören die gepflegten Parkanlagen, verursachen Verkehrsunfälle und gehen dabei ohne Rücksicht auf Verluste vor. "Nicht genug, dass sie unsere Gärten zerstören. Ihre Exkremente sind überall", beschwert sich ein Anrainer. Die Bewohner wollen sich mit allen Mitteln gegen die lästigen Nager wehren, doch die örtliche Naturschutzbehörde untersagt das.

Die Wasserschweine sind im politisch polarisierten Argentinien längst zum Politikum geworden und werden als Protagonisten im Klassenkampf gefeiert. Umweltaktivisten bemängeln seit Jahren den unkontrollierten Immobilienzuwachs, der die lokale Flora und Fauna zerstört und das Wohnen für Durchschnittsbürger unerschwinglich macht. Den Linken ist die Wohnanlage Nordelta seit Jahren ein Dorn im Auge. "Das ist die Quittung", sagte Sicherheitsministerin Sabina Frederic im Radio.

Nordelta wurde in den Feuchtgebieten des Flusses Parana errichtet. Im Gespräch mit dem "Guardian" meinte der Ökologe Enrique Viale, dass nun eher von einer Rückeroberung der Natur die Rede sein sollte: "Es ist genau umgekehrt: Nordelta fiel in das Ökosystem der Capybaras ein. Wohlhabende Immobilienfirmen, die von der Regierung unterstützt werden, zerstören die Natur, um genau das zu verkaufen, was sie zerstören: unberührte Natur. Deren Klienten wollen keine Insekten, Schlangen oder eben Capybaras in ihren Gärten haben."

"Sieg den Schweinen"

Nicht nur die Immobilienbranche bedroht die wichtigen Sumpfgebiete des Flusses, sondern auch die wachsende Landwirtschaft: Rinder- und Sojafarmen reißen große Löcher in das Ökosystem. Dadurch wird dem Land seine Absorptionsfunktion genommen, sodass "bei extremen Wetterereignissen die ärmeren Viertel überflutet werden", erklärte Viale.

In den sozialen Medien werden die Wasserschweine längst als Helden des Klassenkampfs gerühmt und mit Revolutionären wie Karl Marx oder Lenin verglichen - auch Che Guevaras Barret wurde ihnen schon aufgesetzt. Juan Grabois, ein Sozialaktivist aus Argentinien, feiert den Siegeszug der Capybaras auf Twitter: "Alle mit den Wasserschweinen - hasta la victoria, siempre!" (apa/mak)