China hat zum Auftakt der Weltnaturschutz-Konferenz in Kunming einen besseren Schutz seiner Tier- und Pflanzenwelt zugesagt. Man werde eine nationale Strategie auflegen und in allen Entwicklungsplänen für seine Regionen die biologische Vielfalt berücksichtigen, kündigte Vize-Ministerpräsident Han Zheng als Vertreter des Gastgeberlands am Montag an.

China wird vorgeworfen, seine rasante Entwicklung in vergangenen Jahren zu Lasten der Öko-Systeme vorangetrieben und den Lebensraum für Wildtiere eingeengt zu haben. Dies könnte auch dazu beigetragen haben, dass Viren von Tieren leichter auf Menschen überspringen und Pandemien wie Corona auslösen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze verlangte weltweit mehr Schutzgebiete mit überprüfbaren Standards. Mit Blick auf die Koalitionsgespräche verlangte sie in Deutschland ein Bekenntnis zu einer anderen Agrarpolitik.

Die UN-Konferenz mit rund 200 Staaten soll ähnlich wie bei der Weltklimakonferenz von Paris eine verpflichtende Rahmenvereinbarung zum Schutz der Artenvielfalt erarbeiten. Bisherige Versuche scheiterten. Elizabeth Maruma Mrema, Exekutivsekretärin der UN-Konvention zur Biodiversität, sprach von einem Moment der Wahrheit. Vorgeschlagen ist, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Derzeit sind es rund 15 und sieben Prozent. Gefordert werden zudem Vorgaben für weniger Düngemittel, Pestizide und Plastik. Bis 2030 soll so das Artensterben gestoppt werden. Deutschland und die EU haben sich hinter diese Vorgaben gestellt.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Welt am Beginn des sechsten Massensterbens von Arten in der Erdgeschichte steht. Alle zehn Minuten sterbe eine aus. Von den geschätzt rund acht Millionen Arten seien eine Million akut bedroht. Der Klimawandel verschärft demnach die Lage.

Schulze: Müssen Trend umkehren

Umweltministerin Schulze mahnte belastbare Beschlüsse an: "Die Weltnaturkonferenz ist die Chance für einen Neustart." Dabei reiche es nicht, einzelne Arten zu schützen. "Nach Jahrzehnten der Naturzerstörung müssen wir den Trend umkehren und ein Jahrzehnt der Renaturierung einleiten." Es müsse ehrgeizige und messbare Ziele geben, die nicht nur auf dem Papier stünden, verlangte Schulze. Nach dem Willen Deutschlands und der EU sollten die weltweiten in nationale Ziele übersetzt und nach internationalen Standards überwacht werden. Auch Deutschland habe bei der Ausweisung von Schutzflächen und dem Schutz etwa von Insekten noch viel zu tun. So müssten Moore renaturiert und weniger Dünger eingesetzt werden. Mit Blick auf einen Koalitionsvertrag forderte die SPD-Politikerin eine neue Landwirtschaftspolitik: "So wie wir sie im Moment betreiben, ist sie Teil des Problems und nicht Teil der Lösung."

Die Kunming-Konferenz läuft zunächst bis Freitag. Im Januar soll sie fortgeführt werden. Beschlüsse sollen dann wieder in Kunming im Mai fallen. Dabei geht es auch um Geld, um die ärmeren Staaten beim Schutz der Natur zu unterstützen. Deutschland zahlte zuletzt rund 800 Millionen jährlich. (reuters)