Die weiß und schwarz gekleideten Massen bewegen und drehen sich wieder rund um das wichtigste Heiligtum des Islam. Am Donnerstag begann die traditionelle Pilgerfahrt Hadsch in Mekka, dem Geburtsort des Propheten Mohammed. Der Hadsch ist eine der Säulen des Islam und verpflichtet jeden gesunden Muslim mit den nötigen finanziellen Mitteln einmal zur Teilnahme. Eine Million Menschen sind zur diesjährigen Pilgerfahrt zugelassen, darunter mehr als 850.000 Muslime aus dem Ausland.

Mekkas Straßen füllen sich nach zwei Pandemiejahren also wieder. Zwar wesentlich gemächlicher als 2019, als sich noch mehr als zwei Millionen Menschen im saudi-arabischen Mekka tummelten. In den vergangenen zwei Jahren waren jedoch nur wenige tausend Pilger zugelassen, jene aus dem Ausland wurden ganz ausgesperrt. Für Gläubige, die oftmals zeit ihres Lebens für die relativ kostspielige Reise sparen, war die zweijährige Zwangspause eine herbe Enttäuschung. Umso größer die Freude bei jenen, die in diesem Jahr einen der begehrten Plätze ergattern konnten. "Ich kann fast nicht glauben, dass ich hier bin. Ich genieße jeden Moment", meint etwa ein junger Sudanese gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Ein viel kritisiertes Lotteriesystem zur Ticketvergabe hatte bei Muslimen aus Europa, Australien sowie Nord- und Südamerika für großen Unmut gesorgt. Die Anzahl erhältlicher Tickets richtete sich nach dem Anteil der muslimischen Bevölkerung in den jeweiligen Ländern. Dementsprechend verknappt war das Angebot. Eine weitere Hürde stellen auch nach wie vor geltende pandemiebedingte Zugangsbeschränkungen dar. Nur wer jünger als 65 Jahre, frei von chronischen
Erkrankungen und vollständig gegen Covid-19 geimpft ist, wird etwa der rituellen Umrundung der Kaaba, des großen schwarzen Würfels in der Großen Moschee, oder der symbolischen Steinigung des Teufels in Mina beiwohnen können. Hinzu kamen die infolge globaler Preissteigerungen erhöhten Reisekosten. Laut einem Bericht der Deutschen Welle trafen diese besonders Muslime westafrikanischer Staaten empfindlich.

Dafür ist der bis Dienstag andauernde Pilgerzug für das gastgebende saudische Königshaus und Kronprinz Mohammed bin Salman eine lukrative Angelegenheit. Rund 12 Milliarden Euro erwirtschaftet Saudi Arabien dank des Religionstourismus jährlich. Geht es nach bin Salman sollen die Pilgerankünfte bis 2030 auf bis zu 30 Millionen pro Jahr steigen. Dem 2018 nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi harsch kritisierten Königreich dient der Hadsch auch als Imagepolitur, während Berichte über Menschenrechtsverletzungen im größten Öl-Exportland nicht abreißen.