Beim Kentern eines Bootes vor den Bahamas sind mindestens 17 mutmaßliche Migranten aus Haiti ums Leben gekommen. Darunter waren 15 Frauen und ein kleines Kind, wie Premierminister Philip Davis am Sonntag bei einer Pressekonferenz mitteilte. Demnach war das zweimotorige Boot in der Nacht (Ortszeit) von der Hauptstadt der Bahamas, Nassau, gestartet und kurz darauf, gut zehn Kilometer vor der Küste, wohl wegen stürmischer See gekentert.

Es seien vermutlich rund 60 Menschen an Bord gewesen, sagte Davis. Ziel sei wohl die US-Stadt Miami gewesen. 25 Menschen seien gerettet worden, es werde nach möglichen weiteren Opfern gesucht. Vermutlich handle es sich um Menschenschmuggel, es werde ermittelt.

Nassau liegt etwa 300 Kilometer von Miami entfernt. Die Zahlen der unerlaubten Grenzübertritte von Mexiko in die Vereinigten Staaten waren in den vergangenen Monaten besonders hoch. Hinzu kommen Versuche, aus karibischen Ländern wie Haiti und Kuba auf dem Seeweg in die USA zu gelangen - wer von der Küstenwache aufgegriffen wird, wird in der Regel schnell zurückgeschickt. Auch an der Landgrenze werden die meisten Migranten seit Beginn der Corona-Pandemie abgewiesen, ohne Asyl beantragen zu können - ein im internationalen Recht wie auch im US-Gesetz verankertes Recht.

Viele Haitianer flüchteten zuletzt vor Armut, Bandengewalt und politischem Chaos in ihrer Heimat, dem ärmsten Land des amerikanischen Kontinents. Seit der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse vor gut einem Jahr gab es weder Wahlen noch wurde die Tat aufgeklärt. Nach Angaben der Organisation Witness at the Border wurden seit vergangenem 19. September mehr als 24.000 Menschen aus den USA nach Haiti abgeschoben.

Wieder Tote im Mittelmeer

Erneut sind fünf Migranten bei einer Seeüberfahrt über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Sie befanden sich an Bord eines Fischerbootes mit 674 Migranten an Bord, das von der italienischen Küstenwache unweit der Küste der süditalienischen Region Kalabrien in Sicherheit gebracht wurde. Einige Leichen trieben im Meer.

Das Boot sei mehr als 200 Kilometer vor der kalabrischen Küste getrieben, ein Handelsschiff und mehrere Schiffe der italienischen Behörden hätten die insgesamt 674 Menschen gerettet, einige davon direkt aus dem Wasser.

In verschiedenen Operationen nahmen auch Helfende des Berliner Vereins "Sea Watch" rund 450 Menschen auf ihrem Schiff "Sea-Watch 3" auf, die sie von überladenen Booten gerettet hatten. Die Migranten setzen meist aus Libyen in seeuntüchtigen Booten nach Italien über.

Die geretteten Migranten trafen am Sonntag zum Teil auf Sizilien und zum Teil auf Kalabrien ein. Zu ihnen zählten 30 nicht begleitete Minderjährige. Zuvor hatte die Küstenwache mit dem italienischen Marineschiff "Diciotti" andere Migranten gerettet, die sich auf seeuntauglichen Booten in italienischen Gewässern befanden.

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" brachte indes ein überfülltes Schlauchboot in Seenot mit 87 Personen an Bord in Sicherheit, das in internationalen Gewässern vor Libyen trieb. An Bord befanden sich auch mehrere unbegleitete Minderjährige. Keiner von ihnen hatte eine Rettungsweste. Die Überlebenden werden nun von den Teams des Roten Kreuzes und von SOS Mediterranee betreut. SOS Mediterranee ist Betreiberin der "Ocean Viking".

15 Anlandungen mit insgesamt 411 Migranten wurden in der Nacht auf Sonntag auf der süditalienischen Insel Lampedusa gemeldet. Der Hotspot mit 1.184 Gästen steht vor dem Zusammenbruch. Mehrere Migranten waren in den vergangenen Tagen von der Küstenwache gerettet worden oder hatten mit kleinen Booten direkt die Insel erreicht.

34.013 Migranten haben seit Anfang 2022 die süditalienische Küste erreicht. Im Vergleichszeitraum 2022 waren es 25.552 gewesen, teilte das italienische Innenministerium in Rom mit. (apa)