Washington. Hurrikan "Ian" hat in Florida schwerste Schäden angerichtet. "Die Auswirkungen dieses Sturms sind historisch", so Floridas Gouverneur Ron DeSantis "und die Schäden, die entstanden sind, sind historisch." Das gesamte Ausmaß der Verwüstungen tritt erst schrittweise zutage.

US-Präsident Joe Biden befürchtete, dass "Ian" in Florida zahlreiche Menschenleben gefordert hat. "Dies könnte der tödlichste Hurrikan in der Geschichte Floridas sein", so Biden bei einem Besuch in der Zentrale der US-Katastrophenschutzbehörde Fema. "Die Zahl der Opfer ist noch unklar, aber wir hören erste Berichte über möglicherweise erhebliche Verluste an Menschenleben." Die Lage sei weiter gefährlich, mahnte Biden. "Wir erleben weiterhin tödliche Regenfälle, katastrophale Sturmfluten, überflutete Straßen und Häuser", sagte er. "Wir sehen Millionen von Menschen ohne Strom - und Tausende, die in Schulen und Gemeindezentren Schutz suchen." Diese Menschen fragten sich, was übrig bleibe von ihrem Zuhause oder ob sie überhaupt noch ein Zuhause haben würden.

Die Leiterin der Katastrophenschutzbehörde Fema, Deanne Criswell, sagte: "Hurrikan ‚Ian‘ wird ein Sturm sein, über den wir noch jahrzehntelang sprechen werden." Die nächsten Tage würden schwierig, es gebe viele komplexe Probleme zu lösen bei den Einsätzen im Sturmgebiet.

Trümmer auf Straßen, Städte unter Wasser

"Ian" ist als einer der stärksten Hurrikans in der Geschichte Floridas auf Land getroffen. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 240 km/h erreichte der Sturm die US-Westküste und lag dabei nur knapp unterhalb der Schwelle zur höchsten Hurrikan-Kategorie, wie das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) mitteilte.

Zuletzt schwächte sich der Hurrikan ab, Experten warnen aber weiter vor katastrophalen, gar lebensbedrohlichen Überschwemmungen in Teilen Floridas. Auf einem mehr als 100 Kilometer breiten Landstreifen tobten in der Nacht heftige Unwetter. Der mächtige Hurrikan war zuvor in Kuba auf Land getroffen.

Das Zentrum des Sturms befand sich nach Angaben des NHC in der Nacht rund 90 Kilometer südöstlich von Orlando. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Regen durch Straßen peitschte, von Autos nur die Dächer aus den Fluten herausragten und Trümmer durch die Luft flogen. Teile der Innenstadt von Fort Myers und Naples standen unter Wasser, berichteten US-Medien.

Sturmfluten hätten zum Teil eine Höhe von rund 3,5 Metern erreicht, sagte DeSantis. Die Behörden rechneten mit schweren Schäden an Infrastruktur und Kommunikationsleitungen. Für rund 2,5 Millionen Menschen galten Evakuierungsanweisungen.

Meteorologen zufolge wird "Ian" in den kommenden Stunden weiter über Florida ziehen. Menschen in den Bundesstaaten Georgia, South und North Carolina bereiteten sich auf dessen Ankunft vor. Biden hat zuletzt in South Carolina den Notstand ausgerufen.

Laut einer Schnell-Analyse von US-Wissenschaftern hat der Klimawandel die Regenfälle bei "Ian" um mehr als zehn Prozent verstärkt. Dabei handle es sich um "konservative Schätzungen", so der Wissenschafter Michael Wehner vom Lawrence Berkeley National Laboratory.