Chanukka heißt im Hebräischen "Einweihung" und bezeichnet jenes Lichterfest, das sich auf die Wiedereinweihung des verwüsteten und geschändeten Tempels in Jerusalem am 25. Kislew im Jahre 165 vor Christus bezieht. Kislew ist ein Monat des hebräischen Kalenders, der sich am Mond- und nicht am Sonnenjahr orientiert. Daher kann der 25. Kislew jeweils zwischen November und Dezember variieren. Heuer beginnt Chanukka am 18. Dezember und dauert acht Tage.

Chanukka ist kein biblisches, sondern ein national-religiöses Fest. Sein Ursprung wird in den Makkabäer- Büchern I und II beschrieben. Die vier Makkabäer-Bücher gehören zu den apokryphen ("verborgenen") Büchern und stehen außerhalb des biblischen Kanons (Tanach). Sie stammen aus den letzten Jahrhunderten vor und den ersten Jahrhunderten nach Christus. Für das Judentum haben speziell die Makkabäer-Bücher I und II großen geschichtlichen Wert, da sie den Kampf der Makkabäer um religiöse und politische Freiheit schildern. Das dritte und das vierte Buch erzählen von den Märtyrern, die sich weigerten, die religiösen Gebote der Tora zu verletzen, Schweinefleisch zu essen und Götzenbilder anzubeten.

Fritz Rubin-Bittmann wurde 1944 in Wien als Sohn jüdischer Eltern geboren und überlebte als "U-Boot". Er ist Arzt für Allgemeinmedizin (2016 mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet) und hat zu Zeitgeschichte und Religionsphilosophie publiziert. 
- © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Fritz Rubin-Bittmann wurde 1944 in Wien als Sohn jüdischer Eltern geboren und überlebte als "U-Boot". Er ist Arzt für Allgemeinmedizin (2016 mit dem Berufstitel Professor ausgezeichnet) und hat zu Zeitgeschichte und Religionsphilosophie publiziert.

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Im Jahr 168 vor Christus, genau am 25. Kislew (nach jüdischer Zeitrechnung im Jahr 3860), eroberte der griechisch-syrische Seleukiden-König Antiochus IV. Epiphanes Jerusalem, entweihte den Tempel und errichtete darin ein Götzenbild des Zeus-Olympus. Dem jüdischen Volk wurde es bei Todesstrafe verboten, den jüdischen Gottesdienst weiter auszuüben oder die religiösen Gebote der Tora zu befolgen, wie beispielsweise die jüdischen Speisegesetze oder die Beschneidung. Antiochus IV. Epiphanes setzte sich zum Ziel, durch Vernichtung der religiösen Traditionen der Juden deren Gebiet Judäa in das griechisch-syrische Reich einzugliedern.

Die Seleukiden gehören zu den Diadochen-Fürsten - den Nachfolgern des einstigen Feldherren Alexanders des Großen ("Diadoche" bedeutet auf Griechisch "Nachfolger"). Nach dessen frühem Tod zerfiel das alexandrinische Reich in vier Herrschaftsgebiete, die als Diadochen-Fürstentümer bezeichnet wurden. Das Seleukiden-Reich, eines dieser Diadochen- Fürstentümer, bestand aus Groß-Syrien und dehnte sich bis zum Euphrat und zum Tigris aus.

Befreiungskampf der Makkabäer

Im Talmud Gittin 57 wird das Märtyrertum von Chana und deren sieben Söhnen unter der unbeschreiblichen Grausamkeit von Antiochus IV. Epiphanes geschildert. Jeder der sieben Söhne ließ sich lieber foltern und ermorden, als sich den Befehlen des Seleukiden-Herrschers zu unterwerfen. Dem jüngsten Sohn wurde großer Reichtum angeboten, und er hätte am Leben bleiben können, wenn er seinen Glauben verleugnet hätte. Chana stieg auf das Dach und rief ihm zu, "den Glauben nicht aufzugeben". Sie stürzte sich vom Dach in den Tod. Die größte Qual für sie war es, dass sie Folter und Ermordung ihrer Söhne mitansehen musste.

Im Gegensatz zur Bereitschaft vieler Juden, am monotheistischen Glauben und an den Gesetzen der Tora festzuhalten, gab es eine Schicht jüdischer Renegaten (Sadduzäer), die sich mit der Seleukiden-Herrschaft arrangierten. Sie nahmen griechisch-syrische Gebräuche, Sitten und auch den Opferkult des Zeus- Olympus an. Es kam in der Folge zu großen innerjüdischen Spannungen, die zu einem heftigen Kulturkampf führten.

Als in Modiin, einer kleinen Stadt nördlich von Jerusalem, das Götzenbild des Zeus-Olympus aufgestellt wurde und Matitjahu ben Simon, ein Priester aus der angesehenen Dynastie der Hasmonäer, zur Opferung aufgefordert wurde, weigerte er sich, vor dem Götzenbild des Zeus-Olympus zu knien, zerschmetterte es und tötete die griechisch-syrischen Beamten. Seine Tat wurde zum Fanal für den Befreiungskampf der Makkabäer.

Matitjahu und seine fünf Söhne flüchteten und zogen sich ins Gebirge zurück, wo sie auf Gleichgesinnte trafen und einen erfolgreichen Guerillakrieg gegen die Übermacht des Seleukiden-Heeres führten. Matitjahu wurde im Kampf getötet, und sein drittältester Sohn Jehuda Makkabi übernahm die Führung. Dessen Beiname Makkabi ist das Akronym eines Bibelverses (Exodus 15,11): "Mi kamocha ba-elim adonai!" Das heißt: "Wer ist wie Du unter den Mächtigen, Herr!" Dieser Vers zierte die Fahnen der Makkabäer.

Wunder des Ewigen

Jehuda Makkabi ist eine historisch-charismatische Persönlichkeit - Friedrich Händel widmete ihm sein Oratorium "Judas Makkabeus". Es wurde 1932 in Tel Aviv in einer hebräischen Übersetzung anlässlich der ersten Makkabiade aufgeführt. Die Historiker Heinrich Graetz und Simon Dubnov beschrieben in ihren Werken ausführlich den politisch und kulturhistorisch bedeutenden Freiheitskampf der Makkabäer und insbesondere die Person Jehuda Makkabi. Er und seine vier Brüder starben im Kampf, als unerschrockene und unbeugsame jüdische Helden, während die kleine Streitmacht dank einer ausgeklügelten Strategie das zahlenmäßig weit überlegene Heer von Antiochus IV. Epiphanes besiegen konnte.

Nach dem Sieg der Makkabäer wurde der Tempel in Jerusalem gereinigt und neu eingeweiht. Ein kleines Krüglein heiliges Öl, das nicht von den Syrern entweiht worden war und noch das Siegel des Hohepriesters trug, wurde im Tempelleuchter entzündet. Es brannte acht Tage lang im heiligen Leuchter, der Menora (Talmud, Traktat Schabbat, 21).

Der Inhalt dieses kleinen Kännchens hätte unter normalen Umständen bloß für einen Tag gereicht - die Herstellung neuen geweihten Öls hätte acht Tage gedauert. Sowohl die acht Tage, die das Öl dieses Kännchens die Lichter brennen ließ, als auch das Faktum, dass die zahlenmäßig unterlegenen Makkabäer das griechisch-syrische Heer besiegen konnten, gelten als Wunder des Ewigen, für die er seither alljährlich lobgepriesen wird.

Ritual der Entzündung

In den beiden ersten Makkabäer-Büchern wurde die Abhaltung des achttägigen Chanukka-Festes festgelegt. Es entstand der Brauch, am Vorabend nach Einbruch der Dunkelheit täglich ein Licht zu entzünden - bis am achten Tag alle acht Lichter brennen. Beim Entzünden werden Segenssprüche gesprochen und die Lieder "Haneroth Halleila Hase" ("Die Lichter dieser Nacht") und "Maos Zur" ("Fels meiner Rettung") gesungen. Dabei wird der zahlreichen Verfolgungen und Gefahren vom Auszug aus Ägypten bis zur Schreckensherrschaft des Antiochus IV. Epiphanes gedacht. "Maos Zur" entstand im Mittelalter, während der Judenverfolgungen zu Beginn des ersten Kreuzzuges.

Die halachische Tradition beim Ritual des Anzündens der Chanukka-Lichter wurde im Lehrhaus von Jabne festgelegt und bezieht sich auf die Angaben im Talmud. Bereits Josephus Flavius bezeichnete Chanukka als Fest der Lichter.

Die Gebetsliturgie zu Chanukka enthält das "Hallel"-Gebet (davon leitet sich Halleluja ab) und den Dankesspruch "Al ha Nissim" (Gedenken an die Wunder). Es wird täglich ein Abschnitt der Tora (fünf Bücher Moses) vorgelesen, der sich auf die Einweihung des Altars (Misbeach) im Stiftungszelt (Mischkan) bezieht (Exodus, 2. Buch Moses). In diesem Zelt wurde täglich während der Wüstenwanderung die Menora entzündet. Dieses Ritual erfolgte später im Salomonischen Tempel, dem ersten Tempel in Jerusalem.

Menora und Chanukkia

Ebenfalls aus der Zeit der Wüstenwanderung stammt die Menora, ein siebenarmiger Leuchter, der heute ein Symbol des Staates Israel ist. Die biblische Menora stand sowohl im ersten als auch im zweiten Tempel in Jerusalem. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer wurde die Menora im Titus-Bogen in Rom als Beutestück der Römer abgebildet. Diese aus biblischen Zeiten stammende heilige siebenarmige Menora ist bis zum heutigen Tage verschollen. Über sie hat Stefan Zweig seine wunderbare Erzählung "Der begrabene Leuchter" geschrieben.

Im Gegensatz zur siebenarmigen Menora hat der Chanukka-Leuchter acht Arme, die in einer Ebene angeordnet sind - ein neuntes Licht, der Schamasch (Diener) steht abseits. Mit dem Licht des Schamasch werden die Lichter des Chanukka-Leuchters angezündet. Diese acht Lichter dienen keinem profanen Zweck, sondern sollen spirituell einwirken. Die Chanukkia soll sichtbar ans Fenster beziehungsweise an öffentlichen Plätzen aufgestellt werden.

Das Chanukka-Fest wird mit Geschenken, Spielen und fröhlichen Gesängen gefeiert. Die acht Tage sind Halbfeiertage, an denen - ausgenommen am Schabbat - alle Werktagsarbeiten verrichtet werden dürfen. Die Lichter des Chanukka-Leuchters symbolisieren die Hilfe des Ewigen aus größter Not, sie symbolisieren den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit, der Moral über die Macht und des Gewissens über die Gewalt. Sie sind auch Symbol für den Überlebenswillen des jüdischen Volkes.

Im Chassidismus wird das Lichtwunder des Chanukka-Festes mit dem "Urlicht" in Zusammenhang gebracht, das nach der Sünde der ersten Menschen von Gott verborgen wurde. Von einem der großen Gelehrten des Chassidismus, Rabbi Zwi Elimelach Shapiro von Dinov in Galizien, stammt folgendes Diktum, das sich auf die Angaben im Sohar, dem Hauptbuch der Kabbala, bezieht: "Wisset, was der Sinn des Lichtwunders von Chanukka ist. Das von der Schöpfung her verborgene Licht hat sich da offenbart und in jedem Jahr, da man zu Chanukka die Lichter entzündet, entzündet sich neu das verborgene Licht, und dies ist das Licht des Messias."