Mit dem Läuten der Pummerin im Wiener Stephansdom sowie der Glocken der Domkirchen hat Österreichs römisch-katholische Kirche am Samstagvormittag auf das Ableben des emeritierten Papsts Benedikt XVI. reagiert. Kardinal Christoph Schönborn würdigte ihn als "Begleiter und Vorbild", Bischofskonferenz-Vorsitzender Franz Lackner äußerte Dank. Auf mehreren Amtsgebäuden wurde die österreichische Flagge auf halbmast gesetzt, auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen trauerte.

Schönborn erinnerte in der Kathpress an seine jahrzehntelange Verbundenheit zu dem früheren Papst. "Benedikt XVI. war mir als Theologe, Priester und Bischof ein Begleiter und Vorbild. Nun darf er, die Freundschaft Jesu, die er verkündet hat, in Fülle erfahren", so der Kardinal. Der Stephansdom erhält anlässlich des Todesfalls eine Trauerbeflaggung, wie Dompfarrer Toni Faber ankündigte. An der Westfassade der Kathedrale werde ab frühem Samstagnachmittag eine 18 Meter lange Fahne in den Kirchenfarben Gelb-Weiß und ein sechs Meter langer Trauerflor hängen.

"Gespür für Wahrheit"

Franz Lackner, Erzbischof von Salzburg und Vorsitzender der Bischofskonferenz, betonte, dass Joseph Ratzinger/Papst Benedikt in allen ihm übertragenen Aufgaben - vom Professor und Erzbischof bis hin zum Kardinal und Papsttum - stets ein "gläubiger Theologe mit einem tiefen und feinen Gespür für Wahrheit" geblieben sei. Als sein Vermächtnis bleibe vor allem "seine Liebe zur Kirche und ihrer Lehre".

Der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl würdigte Benedikt XVI. für dessen Demut und Intellekt: "Erlebt habe ich ihn als stets auf Gott schauend, der ihn nunmehr heim gerufen hat. Zudem war Benedikt XVI. ein großartiger Theologe, der uns viele interessante Gedanken und Bücher hinterlassen hat." Josef Marketz in Kärnten sprach von einem "charismatischen Papst mit Tiefgang und Souveränität".

"Synodaler Weg"

Der frühere Grazer und Klagenfurter Diözesanbischof Egon Kapellari meinte, Benedikt habe gegen einen von manchen Beobachtern festgestellten "Abschied der Welt vom Christentum" gewirkt - und zwar in komplementärer, sich ergänzender Form zu seinem Nachfolger, Papst Franziskus. Im deutschen Sprachraum dominiere in der Auseinandersetzung um den Reformprozess "Synodaler Weg" zwar Enttäuschung über Ratzingers Leben und Wirken, doch gebe es auch "niveauvolle Kritik an solcher Kritik - und manche Enttäuschung wird später als Befreiung von Täuschung erfahren werden", meinte er.

Eine differenzierte ökumenische Bilanz kam vom evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka. "In seiner Amtszeit als Papst galt seine Aufmerksamkeit mehr einer Vertiefung des katholischen Selbstverständnisses und weniger der Weiterentwicklung des ökumenisches Gesprächs", sagte er.

Seitens des offiziellen Österreichs sprach Bundespräsident Alexander Van der Bellen namens der Republik sowie persönlich seine tief empfundene Anteilnahme aus. Benedikt XVI. sei Österreich "in besonderer Weise verbunden" gewesen, twitterte er. Auf den Dächern von Präsidentschaftskanzlei, Bundeskanzleramt, Parlament und Außenministerium wurden die österreichischen Flaggen am Samstag auf halbmast gesetzt.

"Gemeinsam trauern wir Katholikinnen und Katholiken um em. Papst Benedikt XVI.", twitterte Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Den verstorbenen früheren Papst würdigte Nehammer als "bemerkenswerte historische Persönlichkeit" und "großen Gelehrten schon in jungen Jahren". 

Scholz: Benedikt war "ein besonderer Kirchenführer"

Auch in Deutschland trauert man. Mit dem Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. verliere die Welt "eine prägende Figur der katholischen Kirche, eine streitbare Persönlichkeit und einen klugen Theologen", sagte der deutsche Kanzler. "Als "deutscher" Papst war Benedikt XVI. für viele nicht nur hierzulande ein besonderer Kirchenführer", so der SPD-Politiker. (apa, dpa)