Monrovia/Freetown. Angesichts der Ebola-Seuche in Westafrika schlägt die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" Alarm. "Diese Epidemie ist beispiellos, sie ist ganz und gar nicht unter Kontrolle, die Situation verschlechtert sich immer weiter", warnte Einsatzleiter Bart Janssens in der Zeitung "Libre Belgique". Bald könnten weitere Länder der Region betroffen sein. 

Umfassender Überblick fehlt


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Vor allem in Sierra Leone und Liberia gebe es inzwischen große Gebiete, die von der Seuche betroffen seien, und immer noch breite sie sich weiter aus, sagte Janssens. Zugleich fehle ein umfassender Überblick, um zu verstehen, "wo die Hauptprobleme liegen". Er rief die Weltgesundheitsbehörde (WHO) und die Regierungen auf, die Epidemie mit aller Macht zu bekämpfen.

Seit Monaten breitet sich ein besonders aggressiver Ebola-Virusstamm in Westafrika aus. Mehr als 1.200 Menschen wurden nach WHO-Angaben bisher infiziert, mehr als 670 von ihnen starben. Betroffenen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone, hinzu kommt ein erster Todesfall in Nigeria. Das Ebola-Virus löst hämorrhagisches Fieber aus, das in einer Vielzahl von Fällen zum Tod führen kann. Medikamente dagegen gibt es nicht, doch steigert eine frühzeitige Behandlung die Überlebenschancen. Von Mensch zu Mensch überträgt sich das Virus durch Körperflüssigkeiten.

Unterstützung aus der EU

Wie immer bei solchen Epidemien gibt es erste Berichte über angebliche Verdachtsfälle auch in westlichen Staaten. So ist in England ein aus Westafrika zurückgekehrter Brite auf das Ebola-Virus getestet worden. Ein anfänglicher Verdacht wurde ausgeschlossen. Ein Problem liegt darin, dass die anfänglichen Symptome - vor allem Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen - sehr unspezifisch für eine Ebola-Infektion sind.

Die Europäische Union stellte weitere zwei Millionen Euro für den Kampf gegen das Virus zur Verfügung. Die für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgieva sprach von einem "extrem besorgniserregenden Ansteckungsgrad" in den betroffenen Staaten. Sie rief die internationale Gemeinschaft zu weiteren Anstrengungen auf.

Flüge gestrichen

Nach der nigerianischen Fluggesellschaft Arik setzte auch die in Togo ansässige panafrikanische Airline ASKY alle Flüge zu den Hauptstädten von Liberia und Sierra Leone aus. Der liberianische Fußballverband sagte sämtliche geplanten Spiele im Land vorerst ab. Bereits zu Wochenbeginn hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf eine weitgehende Schließung der Landesgrenzen angeordnet sowie alle Demonstrationen und Großveranstaltungen untersagt.

Der Kampf gegen die Seuche wird auch dadurch erschwert, dass es auch zu Infektionen beim Gesundheitspersonal kommt. Sierra Leone meldete am Dienstag den Tod des Leiters der größten Ebola-Klinik in Kenema, Omar Khan. In Liberia sind ein Arzt und eine im Gesundheitswesen tätige Missionarin schwer erkrankt.