Straßburg. "Indem wir diesen Preis verleihen, anerkennt das Europäische Parlament seine bewundernswerte Arbeit als Mediziner, und es ehrt den Mann, der für die Würde der Frauen und für Gerechtigkeit und Frieden in seinem Land kämpft", sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und ergänzte: "Das von ihm gegründete Panzi-Spital in Bukavu ist zum Schutzort für tausende Frauen und Mädchen, von Opfern sexueller Gewalt, geworden." Diese Worte galten dem kongolesischen Gynäkologen und Menschenrechtsaktivisten Denis Mukwege, dem am Mittwoch im Europäischen Parlament in Straßburg der heurige Sacharow-Preis für Gedankenfreiheit überreicht wurde. Schon am 21. Oktober war Mukwege als Preisträger bekannt gegeben worden.

Denis Mukwege wurde 1955 in Bukavu als Sohn eines protestantischen Pastors im Kongo geboren. Unter dem Eindruck von Krankenbesuchen, auf denen er seinen Vater begleitete, studierte er im Nachbarland Burundi Medizin. Das Miterleben des Todes vieler Frauen als junger Arzt am Spital im kleinen Ort Lemera veranlasste ihn, in Frankreich Gynäkologie und Geburtshilfe zu studieren und 1989 eine eigene Station in Lemera zu eröffnen. In den Kongokriegen der 1990er Jahre wurde diese Station völlig zerstört, Mukwege wurde 1999 Gründer und leitender Chirurg des Panzi-Hospitals in Bukavu. Im Kongo machte Mukwege ständig Erfahrungen mit den physischen und psychischen Verletzungen systematisch - oft öffentlich und von ganzen Gruppen - vergewaltigter und misshandelter Frauen. Er wurde nicht nur zu einem weltweit führenden Experten in der medizinischen Behandlung schwerster Unterleibsverletzungen, sondern auch zu einem Vorkämpfer gegen sexuelle Gewalt, wie sie in Kriegen immer wieder gezielt eingesetzt wird.

"Täter kommen in Regel straflos davon"

Mukwege sprach in Straßburg deutlich an, dass er den Einsatz von sexueller Gewalt als Kriegswaffe betrachtet, dieser überschreite eine "rote Linie" und gehöre international geächtet wie A-, B- und C-Waffen. Während aber die Opfer, deren Körper man zu "Schlachtfeldern" mache, und ihre Familien darunter ein Leben lang leiden, kommen die Täter in der Regel straflos davon. Ohne politischen Wandel sieht Mukwege aber keine Chance auf eine Besserung, denn die Täter sind im Bund oder sogar identisch mit den Machthabern. Gegenmaßnahmen müssten wirtschaftspolitisch ansetzen. Jeder, der ein Handy oder einen Laptop verwende, sollte wissen, dass darin jene wertvollen Rohstoffe enthalten sind, von denen 60 Prozent aus dem Kongo kommen und um welche die grausamen Kämpfe in dieser Region toben. Solche Geräte sollten "sauber" produziert werden, die entsprechenden Unternehmen müssten ihre Verantwortung wahrnehmen. Mukwege sprach auch besonders die Männer an, die nicht Täter sind, aber sich durch Schweigen mitschuldig machen. Vom Sacharow-Preis erhofft er, dass es die EU nicht nur bei einer schönen Zeremonie belässt, sondern dass den Worten auch Taten folgen.