Daressalam. UN-Menschenrechtskommissar Zeid al-Hussein hat die Ermordung und Verstümmelung eines Albino-Kleinkinds in Tansania scharf verurteilt. Die Gewalt gegen Menschen mit Albinismus und ihre Diskriminierung müsse gestoppt werden, sagte er am Donnerstag und forderte die Regierung auf, mehr zum Schutz der Betroffenen zu unternehmen.

Am Dienstag war die verstümmelte Leiche eines anderthalbjährigen Albino-Buben in einem Wald im Norden des Landes entdeckt worden. In den beiden Monaten davor waren drei Albinos ermordet worden.

Trotz Verbot

Trotz eines Verbots der Regierung verwenden selbst ernannte Zauberer in Tansania immer wieder die Körperteile von Albinos für ihre Rituale. Albinos, denen Farbpigmente in Haut, Haaren und Augen fehlen, gelten in dem Land und anderen Teilen Afrikas als Glücksbringer und Vorboten von Reichtum. Ihre Körperteile werden nach UN-Angaben für umgerechnet je rund 500 Euro verkauft, ein ganzer Leichnam wird mit bis zu 65.000 Euro gehandelt.

Allein in Tansania wurden seit dem Jahr 2000 insgesamt 74 Albinos ermordet, darunter viele Kinder. UN-Experten warnen vor einer Zunahme von Angriffen im Vorfeld der Präsidentschaftswahl im Oktober, da Wahlkämpfer häufig auf die Unterstützung von Hexern setzten.