Tunis/Wien. (schmoe) Der Terroranschlag im Herzen von Tunis mit 17 getöteten Touristen trifft die tunesische Reisebranche ins Mark. Der Wirtschaftszweig war bereits nach den Unruhen rund um die Arabische Revolution, die im November 2011 in Tunesien ihren Ausgang nahm, stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Zuletzt gab es die Hoffnung, dass das Land politisch stabil bleibt - Hoffnung auch für den Tourismus-Sektor.

Westliche Urlauber sind die Hauptstütze der Wirtschaft im Land: Der Tourismus erwirtschaftete 2010 rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), 14 Prozent der Jobs wurden dort geschaffen. Tunesien ist seit jeher Ziel für zahlreiche Urlauber auch aus Österreich. Auf der Tourismusmesse im Jänner 2015 in Wien präsentierte sich das nordafrikanische Land farbenfroh und unter dem Motto "Frei, alles zu erleben".

Tatsächlich lockt Tunesien mit Sandstränden, modernen Hotels und dem antiken Karthago. Nach den Unruhen 2011 setzte man alle Hebel in Bewegung, um das Imageproblem zu lösen. Der Einbruch an 2011 war für die rund 500.000 Tunesier, die im Tourismus arbeiten und damit ihre Familien ernähren müssen, mehr als schmerzhaft: 2010 waren es noch sieben Millionen Touristen gewesen, 2011 kamen nur noch knapp 4,8 Millionen, selbst Dumping-Pauschalangebote konnten den Abwärtstrend nicht stoppen. Wahlen, eine Verfassung und Ruhe im Land sorgten zuletzt dafür, dass wieder mehr Touristen kamen - die Zahlen von 2010 blieben allerdings Utopie. Deshalb wurde von der Regierung eine neue Tourismus-Ministerin bestellt und viel Geld in neue Konzepte gesteckt: Man will die Standards in den Hotels verbessern, die Betten-Burgen und Touristenghettos aufbrechen. Auch laut Weltbank war da in der Vergangenheit viel falsch gemacht worden: Die Regierung verkaufte staatliches Land an ausgesuchte Investoren, vergab günstige Kredite und warb mit steuerlichen Anreizen. Angelockt wurden dadurch Unternehmer, denen Erfahrung fehlte. Die Folge: billiger Massentourismus.