Peking. (red) Jetzt möchte man annehmen, dass die Luft in Peking aufgrund der anhaltenden Smog-Lage bereits schlimm genug ist. Ist sie aber offensichtlich nicht: Nach Angaben der Kommission für Gesundheit und Familienplanung greifen 4,2 Millionen Pekinger zur Zigarette, die Anzahl der Raucher in ganz China wird auf 300 Millionen geschätzt. Anders ausgedrückt: Jeder zweite männliche Chinese raucht.

Und sie tun dies so ausgiebig, dass in Restaurants, Flughäfen, Taxis und Hotelanlagen im Regelfall dicke Luft herrscht. Damit soll nun Schluss sein, zumindest dann, wenn eines der weltweit schärfsten Nichtrauchergesetze tatsächlich umgesetzt wird, das am Montag in Kraft getreten ist.

Mit diesem Gesetz wird das Rauchen in Peking - theoretisch - de facto überall außer in den eigenen vier Wänden unter Strafe gestellt. Das komplette Rauchverbot umfasst nicht nur öffentliche Gebäude und Bürokomplexe, sondern auch öffentliche Plätze mit kulturellem Erbe wie die Verbotene Stadt, Sportstätten, Märkte, das Umfeld von Schulen, Spielplätzen und Spitälern sowie Haltestellen für Busse.

Hotline, um ertappte
Sünder anzuschwärzen


Wer dennoch zum Glimmstängel greift und dabei erwischt wird, soll zunächst 200 Yuan zahlen, das sind rund 30 Euro. Das ist nicht wenig und ungefähr 20-mal mehr als der aktuelle Strafsatz. Firmen, die das Rauchverbot nicht einhalten, drohen gar Strafen bis zu 10.000 Yuan, also knapp 1500 Euro. Untermauert wird die aktuelle Kampagne mit einer regelrechten Plakatflut und intensiver Berichterstattung in den Medien.

Allerdings ist nicht ganz klar, wer dieses Verbot nun eigentlich umsetzen soll. Nach Angaben der staatlichen Medien sind dafür "tausende Inspektoren des Gesundheitsministeriums" zuständig, dazu gibt es eine Hotline, unter der man die auf frischer Tat ertappten Sünder anschwärzen kann.

Buchstäblich kleine Helfer im Kampf gegen die Raucher sollen auch die Schulkinder der Stadt werden, die in den vergangenen Wochen drei Handzeichen zur Rauchabwehr lernten: "Das geht nicht!", Was du da machst, stinkt mir!" und "Hör damit auf!". Die Weltgesundheitsorganisation WHO begrüßte die jüngsten Maßnahmen jedenfalls: "Wir denken, das neue Gesetz wird einen großen Unterschied machen. Es ist das bislang schärfste Gesetz in ganz China - es gibt keine Schlupflöcher, keine Ausnahmen", sagte deren Repräsentantin in Peking, Angela Pratt.