Damaskus/Pjöngjang. Während sich nur wenige Kilometer entfernt verfeindete Rebellengruppen Feuergefechte lieferten, wurde am vergangenen Montag im wohlhabenden Südwesten von Damaskus ein neuntausend Quadratmeter großer Kim-Il-sung-Park eingeweiht. Anlässlich des 70.Jahrestags der nordkoreanischen Arbeiterpartei besuchten neben Pjöngjangs Botschafter auch der stellvertretende syrische Außenminister die Zeremonie. Als "historischen Herrscher" bezeichnete Faisal Mikdad den nordkoreanischen Staatsgründer - und jeden, der ihn kritisiere, als "dumm und lächerlich".

Man könnte diese Nachricht als weitere skurrile Schlagzeile abtun, die das Kim-Regime quasi im Wochentakt produziert. Dabei wird übersehen, dass die beiden totalitären Staaten eine wenig beachtete, jedoch tiefgehende Freundschaft verbindet, die vor allem militärische Ausmaße annimmt: Seit Ende der 70er Jahre exportiert Nordkorea regelmäßig Raketensysteme nach Syrien, und selbst ein 500 Millionen Dollar schweres Kompensationsangebot von Israel Anfang der 90er Jahre konnte das Regime nicht von seinen Waffenverkäufen gen Nahen Osten abbringen. Ebenso hartnäckig halten sich Gerüchte, dass Kim Jong-un seinen arabischen Verbündeten auch mit Wissen über chemische Waffen unterstützt.

Als der Jungdiktator im Dezember 2011 in die Fußstapfen seines Vaters trat, vermuteten viele ausländischen Beobachter zunächst, dass Nordkorea sein Engagement in Syrien allmählich aufgeben würde, zumal innerhalb von wenigen Jahren die befreundeten Nachbarregime in Ägypten und Libyen gefallen sind. Tatsächlich ist jedoch genau das Gegenteil eingetreten: Seit Beginn des Bürgerkriegs unterstützt Pjöngjang Assad aktiv bei der Bekämpfung der Rebellen. Für Nordkorea sind die Unruhen schließlich nichts weiter als ein "Ergebnis der Verschwörungen von den USA und seinen Marionetten", wie der nordkoreanische Botschafter bei der Parkeinweihung in Damaskus von sich gab.

Als ehemalige Sowjet-Satellitenstaaten befinden sich die beiden Nationen in einer ganz ähnlichen Situation, haben mit Seoul und Tel Aviv den Feind quasi vor der Haustür und teilen auch dieselbe anti-imperialistische "Wir gegen den Rest der Welt"-Haltung. Bei UN-Abstimmungen unterstützen sich beide Nationen blind, und Kim Jong-uns Briefaustausch mit Baschar al-Assad ist umfangreicher als mit jedem anderen Staatschef.

"Nordkorea hat vom Fall Gaddafi gelernt, dass das Regime unweigerlich kollabieren würde, sobald es sein Atomprogramm aufgibt. In Syrien können sie bei Assad beobachten, wie man bei inneren Unruhen an der Macht bleibt", sagt Benjamin R. Young, Doktorand in koreanischer Geschichte an der George Washington University.

Nordkorea "lernt wertvollen Umgang mit neuem Feind"


Für ihn besteht kein Zweifel: Im Ernstfall würde Kim Jong-un zu ähnlich skrupellosen Mitteln greifen wie der syrische Staatschef.

"Natürlich könnte Pjöngjangs Unterstützung des Assad Regimes auch Racheakte von Dschihadisten provozieren, aber viel wahrscheinlicher ist, dass die nordkoreanische Volksarmee in Syrien wertvolle Kampferfahrung gegen den neuen Feind erlangt: lose organisierte Milizen in urbanen Schlachtplätzen", analysiert Alexandre Mansourov, einer der profiliertesten Sicherheitsexperten der Region, auf dem Fachblog "38north".

Zweifelsohne hat der Arabische Frühling den Parteikadern in Pjöngjang einen kalten Schauer eingejagt. Nichts fürchtet das nordkoreanische Regime stärker als innere Aufstände. Seit seiner Existenz 1948 beschränken sich jedoch die einzig bekannten Ausschreitungen auf Unruhen bei Fußballspielen oder Marktrangeleien. Dass sich oppositionelle Nährzellen gar organisieren und zu einer Bürgerbewegung heranwachsen könnten, daran glaubt unter den Nordkorea-Experten niemand so recht.

Nordkorea spekuliert auf den Sieg von Assad


Vor allem für die Golf-Monarchien ist Pjöngjangs Engagement in Syrien ein Dorn im Auge. Derzeit schuften tausende Nordkoreaner auf Baustellen in Kuwait und Katar, wo sie mit ihrer günstigen Arbeitskraft schwer benötigte Auslandsdevisen für die Partei heranschaffen. Dass Kim Jong-un einen Bruch mit seinen Dollar-Lieferanten in Kauf nimmt und weiterhin Syrien unterstützt, zeigt auch, dass keine diplomatischen Durchbrüche mit Seoul oder Washington zu erwarten sind. Vielmehr scheint Nordkorea auf einen Sieg Assads zu spekulieren - und die damit verbundenen Gegenleistungen aus Russland und dem Iran.