Vatikanstadt. Wenn man so will, biegt die katholische Kirche nun auf die Zielgerade ein. Vom 4. bis 25. Oktober kommen mehr als 250 Bischöfe im Vatikan zusammen, um erneut über die Rolle der Familie "in der Kirche und in der modernen Welt" zu diskutieren. So heißt es im Titel der Bischofssynode. Schon im vergangenen Jahr hatte der Papst überraschenderweise eine außerordentliche Versammlung zum Thema einberufen, auf der hart um den künftigen Kurs der katholischen Kirche gerungen wurde. Nun folgt der letzte Akt.

Den Prozess einer Neuausrichtung hatte Franziskus bereits zuvor eingeleitet, indem er die Gläubigen in aller Welt zum Thema Familie und Sexualität befragen ließ. Schon diese Aufmerksamkeit für die Wirklichkeit der 1,2 Milliarden Katholiken in aller Welt war bahnbrechend und programmatisch. Nun geht es auch bei der ordentlichen Synode im engeren Sinn um Ehe und Familie, im weiteren Sinn jedoch um die Frage, wie sehr sich die Kirche der Lebenswirklichkeit ihrer Angehörigen beugen oder wie kompromisslos sie beim Aufrechterhalten ihrer von der großen Mehrheit als lebensfremd wahrgenommenen Lehre bleiben soll.

Richtungsstreit wird noch
nicht entschieden

Bekanntlich liegen etwa zwischen der von der katholischen Kirche verkündeten Sexualmoral und ihrer Befolgung Welten. Papst Franziskus, so hat er bislang eindeutig zu verstehen gegeben, befürwortet einen milden, in seinen Worten "barmherzigen" Umgang mit Menschen, die dem kirchlichen Ideal nicht entsprechen. Konservative Bischöfe warnen hingegen davor, dem Zeitgeist nachzugeben. Viel eher müsse sich die Welt den Idealen der Kirche annähern. Dieser Richtungsstreit wird bei der Synode ausgetragen, aber nicht entschieden. Denn am Ende, wohl Monate nach der Synode, spricht der Papst ein Machtwort.

Die Bischöfe haben allein beratende Funktion und können dem Papst Vorschläge unterbreiten, die von zwei Dritteln der Synodenväter mitgetragen werden müssen. Franziskus ist anschließend frei, diese Vorschläge zu übernehmen oder sich über sie hinwegzusetzen.

Zugespitzt hat sich die Debatte vor allem auf zwei Detailfragen, an denen das Ergebnis der Synode gemessen wird. Die eine Debatte kreist darum, ob geschiedene, aber auch katholisch getraute Eheleute, die erneut heiraten unter bestimmten Voraussetzungen zur Kommunion zugelassen werden sollen. Nach dem Dogma der Unauflöslichkeit der katholischen Ehe ist dies bislang nicht möglich. Das zweite Thema ist der Umgang der Kirche mit homosexuellen Gläubigen.