Sharm el-Sheikh/London/Washington/Brüssel. Die britische Regierung sieht es als zunehmend wahrscheinlich an, dass die A321 einer russischen Fluglinie am Samstag über der Sinai-Halbinsel durch eine Bombe zerstört wurde. Premierminister David Cameron sagte, es sei "mehr als wahrscheinlich", dass der Airbus von einer Bombe zerstört worden sei. Cameron berief sich auf "Geheimdienstinformationen".

Die britische Regierung hat nach einem Bericht der BBC Hinweise darauf erhalten, dass eine Bombe im Frachtraum des abgestürzten russischen Passagierflugzeugs war. Die Informationen stützten sich auf abgehörte Gespräche von Milizen auf der Sinai-Halbinsel, berichtete der Sender am Freitag.

224 Passagiere kamen ums Leben

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf dem Sinai hatte behauptet, für den Absturz vergangenen Samstag mit 224 Toten verantwortlich zu sein.

Bei dem Absturz kamen alle 224 Passagiere ums Leben. Die Flüge vom ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh nach Großbritannien wurden daher aus Sicherheitsgründen gestoppt, weshalb Tausende Touristen festsaßen. Thomas Cook Airlines, easyJet, Monarch, British Airways und Thomson unterhalten Direktverdingungen dorthin.

Großbritannien holt Touristen aus Ägypten

Nun holt Großbritannien seine rund 20.000 Touristen in Ägypten unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen nach Hause. "Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen beinhalten, dass die Passagiere nur Handgepäck mitnehmen dürfen und das andere Gepäck separat transportiert wird", sagte eine Sprecherin von Premierminister David Cameron am Freitag.

Vertreter der Sicherheitsbehörden in den USA hatten erklärt, eine Urheberschaft der Extremistenmiliz Islamischer Staat sei wahrscheinlich.

Auch Obama hält Bombe für möglich

Auch US-Präsident Barack Obama hat einen Bombenanschlag als mögliche Ursache für den Absturz nicht ausgeschlossen. "Ich denke, es gibt eine Möglichkeit, dass eine Bombe an Bord war. Und wir nehmen das sehr ernst", sagte Obama am Donnerstag in einem Interview des Rundfunksenders Kiro/CBS. Obama blieb in seiner Einschätzung aber deutlich vorsichtiger als die britische Regierung.

Belgien rät indes von Reisen nach Sharm el-Sheikh ab. Es gebe keine ausreichenden Garantien für die Sicherheitskontrollen auf dem dortigen Flughafen, sagte Außenminister Didier Reynders der belgischen Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag. "Wir kennen noch nicht die Ergebnisse der Untersuchung", sagte der Minister. Das französische Außenministerium riet den Bürgern ebenfalls davon ab, nach Sharm el-Sheikh zu reisen, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Das österreichische Außenministerium empfiehlt "landesweit verstärkte Umsicht" aufgrund erhöhter Anschlagsgefahr. Vor Reisen in den Nord-Sinai und in das Sahara-Gebiet wird ausdrücklich gewarnt.

Verschiedenste Vermutungen

Der russische Airbus A321 war Samstagfrüh kurz nach dem Start in Sharm el-Sheikh auf dem Weg nach St. Petersburg über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Insassen, großteils russische Urlauber, starben. Nach Angaben russischer Ermittler brach die Chartermaschine der russischen Fluggesellschaft Kogalimawija, die unter dem Namen Metrojet fliegt, in der Luft auseinander.

Über die Ursache des Absturzes werden seither die verschiedensten Vermutungen angestellt. Der ägyptische Ableger der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte am Mittwoch erneut erklärt, er habe die Maschine zum Absturz gebracht. Ägyptische und russische Behörden bezweifeln dies. Sie weisen darauf hin, dass der IS auf der Sinai-Halbinsel nicht über entsprechende Waffen verfüge.