Kairo. Seitdem Russlands Präsident Wladimir Putin sämtliche Flüge in den ägyptischen Badeort Sharm el-Sheikh streichen und den Rücktransport tausender russischer Touristen anordnen ließ, wird, was bisher Vermutung war, wahrscheinlicher: Die 224 Passagiere des Airbus A321-Flugs 7K9268 der Airline Metrojet sind durch einen Bombenanschlag ums Leben gekommen.

Vor Russland hatten schon Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Türkei vorübergehend Flüge auf die Sinai-Halbinsel eingestellt.

Jetzt wollen französische Quellen erfahren haben, dass die Auswertung des am Absturzort sichergestellten Stimmenrekorders eine Explosion erkennen lässt. Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz der ägyptischen Behörden am Sonntagabend in Kairo, brachte allerdings zunächst keine zusätzlichen Erkenntnisse über die Absturzursache. Chefermittler Ayman al-Mokaddem teilte lediglich mit, nach etwa 23 Minuten Flug sei auf dem Stimmrekorder "ein lautes Geräusch in der letzten Sekunde der Aufzeichnung zu hören". Es gebe aber noch "keine Schlussfolgerung" für die tatsächliche Absturzursache. Nur wenige Stunden nach dem Absturz hatte sich der auf dem Sinai operierende Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" dazu bekannt, was aber von russischen und ägyptischen Verantwortlichen bisher in Zweifel gezogen wurde.

Nun hat aber der britische Geheimdienst Russland weitere Daten zum Absturz des russischen Ferienfliegers in Ägypten zur Verfügung gestellt, wie Kremlsprecher Dmitrij Peskow am Montag in Moskau bestätigte. Russland und Ägypten legten sich aber weiterhin nicht fest. Sie wollen die Ermittlungsergebnisse abwarten. Peskow rief alle Länder zur Zusammenarbeit auf, die bei der Untersuchung der Tragödie beitragen können.

Nach immer dichter werdenden Hinweisen auf eine Bombe an Bord der Maschine hatte Russland am Freitagabend sämtliche Verbindungen nach Ägypten eingestellt. Rund 80.000 Russen saßen daraufhin an ihren Urlaubsorten im Land am Nil fest. Sondermaschinen hätten am Wochenende rund 25.000 der russischen Touristen nach Hause gebracht, sagte Regierungschef Dmitrij Medwedew der Agentur Interfax zufolge. Ihr Gepäck sollte mit Transportflugzeugen nach Russland ausgeflogen werden.

Schon im August ist es über Ägypten zu einem schweren Zwischenfall gekommen. Beim Landeanflug auf den ägyptischen Ferienort Sharm el-Sheikh ist ein britisches Flugzeug nur knapp von einer Rakete verfehlt worden. Allerdings soll das Geschoss im Rahmen einer Übung des ägyptischen Militärs abgefeuert worden sein. Wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet, haben die Piloten ein Ausweichmanöver eingeleitet, als sie die Rakete in ihrer Flugbahn sichteten. Das Geschoss sei schließlich rund 300 Meter an dem Jet vorbeigeflogen. Die 189 Passagiere an Bord wurden über den Vorfall nicht informiert.