Peking. (red) Zunächst eine grundsätzliche Feststellung: Es gibt in Peking keine Taxis. Gewiss, es gibt derzeit 66.000 Autos, auf denen "beijing chuzu" ("Peking Taxi") steht und die kreuz und quer durch die chinesische Hauptstadt düsen. Geht man jedoch von der Prämisse aus, dass sich ein Chauffeur als "Dienstleister" versteht, so gibt es in der Millionen-Metropole tatsächlich keine Taxifahrer: "Das ist eher eine unbewaffnete Straßengang beziehungsweise eine Erregung öffentlichen Ärgernisses für diese Stadt", wie es Steven Schwankert, Chefredakteur des Lifestyle-Magazins "The Beijinger", nonchalant ausdrückt.

Der schlechte Ruf kommt nicht von ungefähr: Wer in ein Pekinger Taxi steigt, wird meist von einer warmen Knoblauchwolke empfangen, der Rücksitz ist im Regelfall dreckiger als die Straße selbst und wenn ein Fahrer gerade nicht damit beschäftigt ist, seine Gäste in wüsten Ausdrücken zu beflegeln, fährt er aus Prinzip zur falschen Adresse. Dabei darf man sich noch glücklich schätzen, überhaupt einen Wagen zu bekommen, denn diese sind speziell an den Wochenenden Mangelware. Ihre Fahrer - die Diven der Straße - wissen das und brausen an den verzweifelt Wartenden auch gerne mal vorbei. Falsche Richtung, Dienstschluss oder auch Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation.

Anzahl zugelassener Taxis
seit 20 Jahren gleich

Bis zu einem gewissen Grad ist die mäßige Motivation der Taxler nachvollziehbar: Pro Monat müssen sie an den Lizenznehmer - eine staatliche Monopolfirma - eine Gebühr von umgerechnet 750 Euro entrichten. Wenn alles gut geht, bleiben ihnen am Ende des Monats etwa 600 Euro über. Allerdings nur, wenn sie sieben Tage die Woche 12-Stunden-Schichten fahren. Zudem wurde die Anzahl an zugelassenen Taxis seit 20 Jahren nicht erhöht. In dieser Zeit hat sich allerdings die Bevölkerung der Stadt verdoppelt, wodurch auf 264 Hauptstädter ein Taxi kommt. Eine für alle Beteiligten frustrierende Situation, die nur deshalb entstehen konnte, da den staatlichen Monopolisten jahrzehntelang keine Konkurrenz drohte.

Bis jetzt. Als die ersten Smartphone-basierten Fahrtvermittlungsdienste im Verlauf des letzten Jahres in China auftauchten, schlugen sie ein wie eine Bombe. Es ist auch kein Zufall, dass die international so umstrittene US-Firma Uber in keinem Land so beliebt ist wie in China - und das, obwohl sie in der Volksrepublik illegal operiert. Mehr als eine Million Fahrten werden derzeit in den elf Städten gezählt, in denen Uber aktiv ist - pro Tag, Tendenz stark steigend. Gründer und Vorstand Travis Kalanick weiß nur zu gut, dass er hier auf eine Goldmine gestoßen ist und will im Jahr 2015 eine Milliarde Dollar in den Markt investieren: "Kurz gesagt ist China für unser weltweites Team die Priorität Nummer eins."