Dallas/Washington. (wak) Wohl um die Stimmung in den USA zu entschärfen, hat die Afroamerikanerin Shetamia Taylor nun Sonntagnachmittag eine Pressekonferenz gegeben.

Einen Tag davor, inmitten der Proteste in den USA gegen Polizeigewalt, hatte am Samstag die Tötung eines weiteren Afroamerikaners für zusätzliches Aufsehen gesorgt. In Houston (Texas) hatten Polizisten am Samstag Alva Braziel niedergeschossen, später erlag dieser seinen Verletzungen. Braziel war der dritte aufsehenerregende Fall binnen einer Woche, bei der ein Schwarzer von - weißen - Polizisten erschossen worden war.

Ein Polizist umarmt ein Kind, das die Andachtsstätte für die ermordeten Polizisten besucht. - © reu/Allegri
Ein Polizist umarmt ein Kind, das die Andachtsstätte für die ermordeten Polizisten besucht. - © reu/Allegri

Die ersten beiden tödlichen Opfer von Polizeigewalt in der vergangenen Woche motivierten die Aktivisten von der Graswurzelbewegung "Black Lives Matter" (Schwarze Leben zählen), am vergangenen Donnerstag in Dallas zu einer friedlichen Demonstration gegen Polizeigewalt und Rassismus aufzurufen.

Demonstranten abgeschirmt

Auch die 37-jährige Shetamia Taylor besuchte die Demo mit ihren vier Kindern. Als ein Scharfschütze auf einmal das Feuer auf den Protestzug eröffnete, wurde Taylor am Bein von einer Kugel getroffen. Sie warf sich schützend über ihr am nächsten stehendes Kind. Als sie aufblickte, sah sie Polizisten, die herbeieilten, um sie und auch ihre anderen Kinder physisch vor den Kugeln abzuschirmen. Taylor nennt diese Polizisten bei der Pressekonferenz "Helden" und bedankt sich öffentlich. "Ich bin Polizisten immer mit Achtung begegnet. Mein jüngster Sohn will, seit er sechs Jahre alt ist, Polizist werden. Ich unterstütze ihn weiter dabei." Und wenn ihr die Ereignisse von Dallas etwas gezeigt hatten, dann dass ihre Bewunderung für die Polizisten noch gewachsen sei.

Shetamia Taylor war eine friedliche Demonstrantin, die von ihrem Bürgerrecht Gebrauch machte, um auf Polizeigewalt aufmerksam zu machen. Der schwarze Afghanistan-Veteran Micah Johnson nutzte die Kundgebung, um Menschen zu erschießen: Fünf weiße Polizisten wurden aus dem Hinterhalt erschossen, Micah Johnson gab an, aus Rache weiße Polizisten töten zu wollen, bevor er von der Polizei getötet wurde.

Shetamias Lob auf die Polizisten kam zu einem wichtigen Zeitpunkt. Am Wochenende waren die Demonstrationen gegen Polizeigewalt in den USA eskaliert. Mehr als 200 Menschen wurden festgenommen. In St. Paul (Minnesota), wo ein Polizist am Mittwoch den Afroamerikaner Philando Castile in dessen Auto erschossen hatte, blockierten hunderte Demonstranten am Samstagabend stundenlang eine Autobahn und warfen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen auf Polizisten. 21 Sicherheitskräfte wurden nach Behördenangaben verletzt, mehr als hundert Menschen festgenommen. "Das hat nichts mit Trauer zu tun, das hat nichts mit einer Demonstration zu tun, das nennt sich Aufstand, das nennt sich Gewalt", sagte der Bürgermeister von St. Paul, Chris Coleman.

Vor allem am rechten Rand erheben sich Stimmen, die die "Black Lives Matter"-Bewegung, die friedlich zum Protest ausgerufen hatte, direkt oder indirekt für die Eskalation verantwortlich machen. Der texanische Regionalabgeordnete Bill Zedler etwa warf der Bewegung vor, mit ihrer Rhetorik den Attentäter "eindeutig ermutigt" zu haben.

Die Bewegung sah sich genötigt, sich deutlich von dem Heckenschützen zu distanzieren. Die Taten eines Einzelnen einer ganzen Bewegung zuzuschreiben, sei "gefährlich und verantwortungslos", kritisierte sie gleichzeitig. Und warnte, manche wollten das Attentat dafür ausnutzen, die Bewegung abzuwürgen.

Die Mutter des Attentäters ortete übrigens die Ursachen für die Tat ihres Sohnes bei seinen enttäuschenden Erfahrungen als US-Soldat. Johnson hatte laut dem Polizeichef von Dallas, noch andere zerstörerische Projekte verfolgt.