New York/Baltimore. Ein Untersuchungsbericht hat der Polizei der US-Ostküstenstadt Baltimore einen diskriminierenden Umgang mit Afroamerikanern angelastet. Schwarze würden unverhältnismäßig oft angehalten, durchsucht und festgenommen, heißt es in dem Bericht des Justizministeriums. Die Verhaltensmuster der Polizei stellten einen Verstoß gegen die Verfassungsrechte der schwarzen Bevölkerung dar.

Die Polizei von Baltimore steht seit dem Tod des Afroamerikaners Freddie Gray im April 2015 in Polizeigewahrsam massiv in der Kritik. Dabei wird häufig der Rassismusvorwurf erhoben.

Der 25-jährige Gray hatte bei seiner Festnahme so schwere Rückenmarksverletzungen erlitten, dass er ins Koma fiel und eine Woche später starb. Die Beamten sollen den an Händen und Füßen gefesselten Afroamerikaner im Polizeitransporter bäuchlings mit dem Kopf nach vorn auf den Boden gelegt und nicht angeschnallt haben. Grays Tod hatte wütende und teils gewalttätige Proteste ausgelöst. Alle sechs an dem Vorfall beteiligten Beamten - drei Weiße und drei Afroamerikaner - kamen jedoch ungestraft davon. In einem Fall platzte das Verfahren, zwei weitere Beamte wurden freigesprochen. Gegen die drei übrigen Polizisten wurde die Strafverfolgung vor zwei Wochen eingestellt.

Unbegründetes Anhalten

Der Untersuchungsbericht konstatiert unter anderem, dass die in Baltimore in den Jahren 2010 bis 2015 von der Polizei angehaltenen Fußgänger zu 84 Prozent Afroamerikaner gewesen seien - obwohl diese Gruppe nur 63 Prozent der Stadtbevölkerung ausmacht.

Nur in den seltensten Fällen erwies sich demnach das Anhalten der Fußgänger als begründet. In nur 3,7 Prozent der Fälle habe es in der Folge eine Vorladung oder Festnahme gegeben. Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake führte den Fall eines Afroamerikaners an, der in weniger als vier Jahren 30 Mal von der Polizei angehalten worden sei. In keinem Fall habe ihm etwas vorgeworfen werden können. Auch habe die Polizei exzessive Gewalt eingesetzt, "wenn eine Person nicht auf verbale Aufforderungen reagierte, selbst wenn die Person keine unmittelbare Bedrohung für die Beamten oder andere darstellte", sagte die Bürgermeisterin.

Der insgesamt 163-seitige Bericht führt die Probleme auf unzureichende Richtlinien, Ausbildung und Kontrolle der Exekutivbeamten zurück. Auch, so wird angemerkt, arbeite die Polizei nicht genügend mit den Gemeinden zusammen.