London. Nicht nur in Mexiko herrscht Aufregung über Donald Trumps Abgrenzungs-Ideen. Auch in Irland, auf Europas "grüner Insel", lösen Mauerbaupläne des nächsten US-Präsidenten Empörung aus. Bereits über 100.000 Unterschriften hat eine Online-Petition mit der Forderung "Stoppt Trumps irische Mauer!" gesammelt. Und noch immer steigt die Zahl der Unterzeichner stetig an. Dabei ist Trumps "irische Mauer" natürlich nicht dazu gedacht, die Iren vom Übersetzen nach Amerika abzuhalten. Sondern diese zweite, weniger bekannte Mauer soll sich gegen die Wogen des Atlantik stemmen - gegen das Meer.

In County Clare, an der Westküste Irlands, besitzt Trump nämlich mit "Trump International Golf Links and Hotel Doonbeg" einen Luxus-Golfplatz samt feudaler Herberge. Das bankrottgegangene Golf-Gelände hat er vor drei Jahren gekauft und für über 50 Millionen Dollar instand gesetzt.

Der kostspieligen Vergnügungsstätte aber droht Schlimmes. Ein kontinuierlich steigender Wasserpegel und zunehmend wilde Stürme gefährden das in die Sanddünen gesetzte Golfer-Paradies. Mehrfach haben sich Teile des Golfplatzes schon unter Wasser befunden.

Also hat der Mann, der nach eigenen Worten globale Erwärmung für chinesische Propaganda hält, um seiner kommerziellen Interessen in Irland willen beschlossen, sich den Naturgewalten im Blick auf eine profitable Zukunft aktiv zu widersetzen: Eine Maßnahme, die nahelegt, dass sich Trump über die Folgen globaler Erwärmung wenig Illusionen macht.

Vier bis fünf Meter hoch sollen die Fels-Aufschüttungen am Strand von Doonbeg, die Trump im Sinn hat, werden. Auf fast drei Kilometern Länge, 200.000 Tonnen schwer, soll dieser neue Schutzwall entstehen. Und ja, gewiss doch habe das von jedermann beobachtete Anschwellen der See an den Küsten mit globaler Erwärmung, mit schmelzenden Eiskappen zu tun, hat ein örtlicher Bauunternehmer namens Martin Kelly Reportern freimütig erklärt.

Naturschützer legen sich quer

Dennoch freut es Kelly, dass da möglicherweise ein lukrativer Bauauftrag auf ihn zukommt. Ein bisschen Geld käme dem Iren nicht ungelegen: Seine Mitgliedschaft im Doonbeg-Golf-Club hat er aufgeben müssen, seit die Gebühren auf mehrere tausend Dollar im Jahr gestiegen sind. Auch Trumps Sohn Eric, der in diesem Sommer vor Ort Golf spielte, hat die Erosion der Dünen in Doonbeg über die Jahre verfolgt - und fürchtet, dass bei ein paar neuen Stürmen das Gelände unbespielbar werden könnte. Das Genehmigungsverfahren für die Mauer zieht sich allerdings hin. Naturschutzverbände und örtliche Farmer haben Einspruch erhoben. Die einen hassen die Idee einer künstlichen Trennwand zum Meer, mit der ein "Spielplatz für die Reichen" abgeschirmt werden solle.

Die anderen, die unmittelbar anliegenden Bauern, fürchten, dass eine Mauer nur für den Golfplatz frische Sturmfluten künftig direkt auf ihr Farmland leiten würde, und sie, rechts und links des Walls, die wahren Verlierer dieser Aktion wären. Allerdings hat Trump schon ohne Umschweife erklärt, dass er im Falle einer Verweigerung grünen Lichts für seinen irischen Mauerbau den Golfplatz im Handumdrehen schließen könnte. Und das Hotel gleich dazu.

Die meisten Bewohner der Region sind jedenfalls froh um die Trump-Verbindung. Sie versprechen sich davon Jobs, weitere Investitionen und zusätzlichen Tourismus fürs County Clare. Sie hatten auch nichts dagegen, dass Irlands Finanzminister Michael Noonan im Mai 2014, als der Tycoon zur Übernahme des Golfplatzes in Irland einflog, vor dem Geschäftsjet von Trump buchstäblich einen roten Teppich ausrollte.

Und witzigerweise gibt es nicht nur die Trump-Beziehung zu Doonbeg. Der Besitzer von Morrissey’s Bar, Hugh McNally, ist, wie sich herausstellt, verwandt mit Trumps Nummer Zwei, dem künftigen Vize-Präsidenten Mike Pence. Der bisherige Gouverneur von Indiana ist Neffe einer Großtante von McNally. Pence hat mit seiner Familie schon vor drei Jahren einmal in Doonbeg Urlaub gemacht und war damals auch öfter in Morrissey’s Bar zu Gast.