Bagdad/Tikrit. (reu) Die irakische Armee und ihre Verbündeten im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben einen Rückschlag erlitten. Den Dschihadisten gelang es am Montag, eine wichtige Verbindungsstraße zwischen Bagdad und der IS-Hochburg Mossul abzuschneiden. Zudem beging ein Anhänger der Terrormiliz in der Hauptstadt einen Selbstmordanschlag, bei dem mindestens 24 Menschen getötet wurden.

Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi versprach den Bürgern dennoch, den Terrorismus besiegen zu können. Er hat versprochen, den IS bis April aus dem Irak zu vertreiben. Der Kampf gegen den Terrorismus war auch Thema eines Treffens von Al-Abadi und dem französischen Präsidenten François Hollande in Bagdad. Dieser rechnet mit einer Befreiung Mossuls aus der Gewalt des IS innerhalb von Wochen. Der IS befinde sich auf dem Rückzug, auch wenn es weiter zahlreiche Attentate gebe, erklärte Hollande am Montag bei einer Pressekonferenz mit al-Abadi. Nächstes Ziel im Kampf gegen den IS werde die von den Extremisten gehaltene nordsyrische Stadt Rakka sein, erklärte Hollande weiter. Sein Land werde den Militäreinsatz gegen den IS im Irak und in Syrien bis zum Ende führen.

Frankreichs Präsident besuchte französische Truppen im Irak. Hollande sagte zum Kampf gegen den IS, dieser sei nötig, um "Terrorakten auch auf unserem eigenen Boden vorzubeugen". Das Jahr 2017 werde ein "Jahr des Sieges über den Terrorismus" sein. Er äußerte sich vor französischen Elitesoldaten, die irakische Anti-Terror-Einheiten ausbilden.

Frankreich ist nach den USA das zweitgrößte Geberland der internationalen Anti-IS-Militärkoalition. Das Land unterstützt die irakische Armee mit Ausbildern, Beratern und Artillerie. Seit dem Beginn des Engagements im September 2014 flog die französische Luftwaffe nach Angaben des Verteidigungsministeriums zudem im Irak und in Syrien mehr als 1000 Angriffe und zerstörte rund 1700 Ziele.

Terrormiliz unter Druck


Die Millionenstadt Mossul ist die letzte IS-Hochburg im Irak. Eliteeinheiten haben zwar ein Viertel der Stadt wieder unter ihrer Kontrolle. Doch leisten die Dschihadisten erbitterten Widerstand. Die Gefechte gingen auch am Montag weiter.

Die Kämpfe tobten aber auch andernorts. Etwa 150 Kilometer südlich griffen die Extremisten in Baiji eine Kaserne an und töteten laut Sicherheitskreisen. Sie konnten zudem die Straße nach Bagdad blockieren. Dabei kamen 16 Kämpfer ums Leben, die mit den Regierungstruppen verbündet sind.

In Bagdad nahm der IS den vor allem von Schiiten bewohnten Stadtteil Sadr City ins Visier. Dort zündete ein Selbstmordattentäter eine Autobombe und tötete mindestens 24 Menschen. Die Explosion ereignete sich auf einem Platz, wo sich normalerweise Tagelöhner versammeln. Ziel des Anschlages seien Schiiten gewesen, erklärte der IS über sein Sprachrohr Amak. Sie bilden im Irak die Bevölkerungsmehrheit und werden von den sunnitischen Hardlinern als Ungläubige verachtet und bekämpft. Erst am Samstag hatten IS-Mitglieder drei Anschläge im Zentrum von Bagdad verübt und dabei mindestens 29 Menschen getötet.

Der IS hatte 2014 weite Teile des Nordiraks überrannt und ein Kalifat ausgerufen. Auch in Syrien beherrschen die Islamisten große Gebiete. Weil der IS durch die Offensiven gegen ihn in beiden Ländern unter Druck ist, steigt Experten zufolge auch die Anschlagsgefahr im Ausland.