In einer groß angelegten Imagekampagne vom Vorjahr hat die Delhi Transport Corporation etliche Job-Inserate für weibliche Busfahrer in Regionalzeitungen geschaltet. Jedoch gingen lediglich sieben Bewerbungen bei den Busbetreibern ein, und gerade einmal fünf Kandidatinnen sind tatsächlich zum Vorstellungsgespräch erschienen. Vier von ihnen haben den erforderlichen Gesundheitstest nicht bestanden. Schließlich blieb Saritha Vankadarath übrig.

Ihre Geschichte steht stellvertretend für die hunderttausenden Migranten, die jedes Jahr in Delhi ihr Glück versuchen: Vankadarath stammt aus einem kleinen Ort im verarmten Bundesstaat Telangana. Sie besuchte die Schule bis zur zehnten Klasse, fing gar eine Ausbildung beim Militär an. Als sie 16 wurde, erkrankte jedoch ihr Vater schwer. Wenig später musste die jüngste von fünf Schwestern schließlich dessen Rikscha übernehmen, um die Krankenhausrechnungen zu begleichen.

"Damals habe ich noch getragen, was von mir erwartet wurde - eben traditionell weibliche Kleidung", sagt sie: "Doch es haben sich immer wieder Kunden danebenbenommen."

In T-Shirt und Hosen fühle sie sich ohnehin am wohlsten. Das sei schon in ihrer Kindheit so gewesen, als sie von ihrem Vater wie ein Bursche gekleidet wurde. Wahrscheinlich, sagt sie, weil er sich selber so sehr einen Burschen gewünscht habe.

"Die Öffentlichkeit feiert mich, aber ich bin nicht versichert"

Vor einigen Jahren verschlug es Saritha Vankadarath nach Delhi, wo sie zunächst als Taxifahrerin lernte, mit dem berüchtigten Verkehr der Hauptstadt zurechtzukommen. Seit dem Frühjahr 2015 fährt sie täglich um sechs Uhr morgens aus dem Busdepot, um auf ihrer Linie 543 eine Strecke von rund 120 Kilometern zurückzulegen. Für eine 48-Stunden-Woche verdient sie 22.000 Rupien im Monat, das sind umgerechnet knapp über 300 Euro.

"Die Öffentlichkeit feiert mich zwar für meinen Dienst, aber ich bin weder sozialversichert noch erhalte ich Unterstützung vom Staat. Wenn ich krank im Bett liege, verdiene ich auch nichts", sagt Vankadarath, während sie nach einer achtstündigen Schicht ihren Bus parkt. Auch wenn sie manchmal gar ans Kündigen denke, sei sie auf eine Sache ganz besonders stolz: "Zumindest muss ich keine Verwandten nach Geld fragen." Dann verschwindet sie auf ihrem Motorrad in den dichten Verkehr der indischen Hauptstadt.