Während die Mädchen die Ideologie der Islamisten eingeimpft bekamen, saß der Schuldirektor untätig zuhause. "Es war wie im Gefängnis", erzählt er. "Ich habe Nachrichten gesehen, und auf die irakische Armee gewartet."

Die Arbeitslosigkeit war für viele seiner Kollegen finanziell belastend. "Einige hatten Ersparnisse", so der Schuldirektor. "Andere waren gezwungen den Goldschmuck ihrer Frauen oder das Auto zu verkaufen."

Nach zweieinhalb Jahren hatte das Warten ein Ende. Als die irakischen Streitkräfte auf Mossul vorrückten, gingen die Mädchen der Al-Kufa-Schule mit ihren Familien in den weiter vom IS dominierten Westteil der Stadt.

Kalifat hinterlässt Spuren

In der Klasse "1B" drängen sich die Schüler zu dritt auf einer Schulbank. Jeder hat eine blaue Unicef-Schultasche, Heft und Stift vor sich liegen. "Ist es schön, wieder in der Schule zu sein?", fragt der Direktor. "Ja!", antworten die Kinder im Chor und reißen die Hände hoch zum Victory-Zeichen. Doch die zweijährige Herrschaft der Kalifat-Kämpfer hat Spuren hinterlassen. Ein Bub in Daunenjacke streckt den erhobenen Zeigefinger in die Luft. Eine Geste, mit der IS-Sympathisanten auf tausenden Fotos und Videos posieren.

Schuldirektor Ali ist froh, dass das sandfarbene, einstöckige Schulhaus während der Kämpfe unbeschädigt blieb. Als er vor drei Wochen zum ersten Mal wieder in die Al-Kufa zurückkam, war alles so, wie er es verlassen hatte. Bis auf die Bilder an den Wänden des Schulhofes: Die Gesichter der abgebildeten Menschen wurden mit grüner Farbe übermalt, gemäß der extremen Auslegung des Bilderverbots durch die Dschihadisten. "Und die Bäume im Schulgarten sind gewachsen", sagt er und greift nach seinem Feuerzeug.

Andere Schulen wurden durch Luftschläge und bei den Gefechten im Dezember und Jänner zerstört. Die noch intakt sind, müssen erst nach Sprengfallen durchsucht werden, bevor die Kinder sie betreten dürfen. Laut Unicef haben im Jänner 30 Schulen im Ostteil Mossuls den Betrieb wieder aufgenommen, um 16.000 Kindern regelmäßigen Unterricht zu ermöglichen. In den kommenden Wochen sollen 40 weitere Schulen eröffnen.

Der Direktor ist zuversichtlich. Schritt für Schritt will er die 800 Schüler der Al-Kufa-Schule zurück in den Alltag führen. "Wir wollen, dass sie den IS vergessen." Von den zwanzig Lehrern, die vor dem Einmarsch des IS an der Al-Kufa unterrichteten, sind alle zurückgekommen. Die Regierung hat versprochen, ihnen ab Ende Februar wieder regelmäßig Gehalt zu bezahlen.

Irgendwo explodiert eine Mörsergranate und erinnert daran, dass der Kampf um Mossul noch nicht ausgestanden ist. Auf der anderen Seite des Tigris leben 750.000 Menschen unter dem IS. Und Volksschulkinder lernen das Zählen mit Panzern und Kalaschnikows.