Wien. Die Zahl der von Amnesty International erfassten weltweiten Hinrichtungen ist 2016 um mehr als ein Drittel auf 1032 gesunken. Im Gegensatz dazu ist laut der am Dienstag veröffentlichten Jahresstatistik die Zahl der Todesurteile, also der verhängten Todesstrafen, um über die Hälfte auf 3117 in 55 Ländern gestiegen. 2015 wurden noch 1998 Todesurteile in 61 Ländern ausgesprochen.

Erstmals seit elf Jahren nicht unter den fünf Ländern mit den meisten Hinrichtungen sind die USA. China ist weiterhin der Spitzenreiter.

2015 lag die Zahl der weltweit registrierten Hinrichtungen laut Amnesty noch bei 1.634, ein Höchstwert. 2014 lag die Zahl der Exekutionen bei 1061. Der diesjährige Rückgang ist auf sinkende Zahlen im Iran (minus 42 Prozent) und Pakistan (minus 73 Prozent) zurückzuführen, so der Bericht. Demnach fanden fast 90 Prozent der Hinrichtungen in vier Ländern statt: im Iran (567), Saudi-Arabien (154), im Irak (88) und Pakistan (87).

Hohe Dunkelziffer

Nicht erfasst wurden die Hinrichtungen in China, die Amnesty auf mehrere tausend schätzt. Die chinesische Führung behandelt die Todesstrafe als Staatsgeheimnis. Auch in Jemen, Laos, Nordkorea und Syrien konnten keine Zahlen erhoben werden. Der Anstieg der Todesurteile im Vergleich zum Jahr 2015 (1998) ist auf einige wenige Staaten wie Nigeria, Kamerun, Sambia und Somalia zurückzuführen.

Die USA liegen auf Platz 7 bei den Hinrichtungen. Demnach ging die Zahl der Exekutionen um fast 30 Prozent auf 20 zurück - der niedrigste Wert seit 1991. Auch die Todesurteile waren rückläufig und erreichten den niedrigsten Wert seit 1973.

Grund dafür seien etwa Anfechtungsklagen, die dazu führten, dass Hinrichtungsvorschriften für die Giftspritze geändert werden mussten, sowie Probleme mancher Bundesstaaten, sich die Chemikalien für Giftinjektionen zu beschaffen. So werden in Arkansas nach dem 30. April vorerst keine Todeskandidaten mehr hingerichtet werden, weil dann das Haltbarkeitsdatum eines für die Spritze benötigten Medikaments abgelaufen sein wird. Für Hinrichtungen benötigen die US-Staaten Arzneimittel aus den EU-Staaten, die sie aber aufgrund eines europäischen Boykotts nicht erhalten.

Neben der Giftspritze kommen auch andere, sehr mittelalterlich anmutende Hinrichtungsmedthoden zum Einsatz. In Saudi-Arabien werden Todeskandidaten enthauptet, im Iran erhängt und in China erschossen. Im Iran und in Nordkorea fanden Hinrichtungen öffentlich statt.

Letzte Hinrichtung in Österreich 1950

Dem neuen Jahresbericht zufolge wird inzwischen in 141 Staaten die Todesstrafe nicht mehr angewendet: In 104 Ländern ist sie vollständig abgeschafft, sieben Staaten sehen die Todesstrafe nur noch für außergewöhnliche Straftaten wie Kriegsverbrechen oder Vergehen nach Militärrecht vor. In 30 Ländern ist die Todesstrafe in der Praxis, aber nicht im Gesetz abgeschafft.

Die Todesstrafe ist in Österreich seit 45 Jahren - genau seit dem 7. Februar 1968 - völlig abgeschafft, seit 1950 war dies schon für ordentliche Strafverfahren der Fall. Der Beschluss fiel damals einstimmig und seither hat sich auch keine einzige Parlamentspartei und kein namhafter Politiker jemals für die Wiedereinführung ausgesprochen. Die letzte Hinrichtung in Österreich fand am 24. März 1950 statt.