Der Vollzug der Todesstrafe durch Giftinjektionen ist qualvoll und heftig umstritten. - © ap/Eric Risberg
Der Vollzug der Todesstrafe durch Giftinjektionen ist qualvoll und heftig umstritten. - © ap/Eric Risberg

Arkansas. Menschen töten Menschen. Mord ist das verwerflichste Verbrechen. Das ist weltweit moralischer Konsens. Jemandem das Leben zu nehmen, gilt auch in den Weltreligionen als die schwerste aller Sünden - nicht zuletzt aufgrund ihres existenziellen Charakters. Keine andere menschliche Handlung beeinflusst andere Menschen mehr. Sie löscht ihr Bewusstsein für immer aus, sie ist unumkehrbar. Eine absolute, irreversible Tat.

Trotzdem ist der Mord in manchen Ländern - unter gewissen Umständen - straffrei. Und nicht nur das, er ist sogar erwünscht. Nämlich dann, wenn er vom Rechtsstaat legitimiert und als Strafe für ein Kapitalverbrechen angeordnet wird. Der Mord, also das vorsätzliche Töten eines anderen Menschen, wird zu einer Maßnahme der Justiz.

Am Montag wurde diese Maßnahme im US-Bundesstaat Arkansas gleich zweimal angewandt. Den beiden Männern Jack Jones und Marcel Williams wurde das tödliche Mittel Midazolam injiziert. Jones und Williams wurden in den 1990er Jahren für Mord und Vergewaltigung verurteilt. Der 53-jährige Jones starb nach Zeitplan, der 46-jährige Williams eine Stunde später als vorgesehen. Der Grund für den kurzfristigen Aufschub waren Bedenken über die Vollstreckung des ersten Urteils. Jones hatte nach Luft gerungen und gelitten. Midazolam wird seit langem kritisiert, weil es offenbar nicht stark genug ist, um Schmerzen der Todeskandidaten zu vermeiden. Letztendlich wurde der Aufschub jedoch abgelehnt, die Hinrichtung wurde vollstreckt.

Qualvoller Tod durch
den elektrischen Stuhl


Ob Nicolas Jacques Pelletier auch litt, bleibt umstritten. Der französische Straßenräuber wurde am Dienstag vor genau 225 Jahren in Paris hingerichtet. Damals wurde zum ersten Mal eine neuartige Maschinerie eingesetzt, die dem Verurteilten den Kopf abschlug - die Guillotine. Der Arzt Joseph-Ignace Guillotin hatte sie entwickelt. Die Guillotine sollte das Töten erleichtern. Sie wurde als weniger grausam und sauberer als andere Tötungsarten verstanden. Die Zeitung "Chronique de Paris" schrieb nach der Hinrichtung Pelletiers: "Diese Maschine ist den anderen Bestrafungsarten zu Recht vorgezogen worden: Sie befleckt nicht die Hand des Menschen mit einem Mord an Seinesgleichen, und die Geschwindigkeit, mit der sie den Schuldigen trifft, entspricht eher dem Geist des Gesetzes, das oft streng sein kann, aber niemals grausam sein darf."

Die indirekte Art der Tötung wurde also als Entlastung des Henkers gesehen, der nun einen Mechanismus in Gang setzt, anstatt selbst das Beil zu schwingen. Seine Hand bleibt unbefleckt, er ist moralisch unschuldig.

Ähnliches gilt für den elektrischen Stuhl. Er wurde dem Galgen aus "humanen" Gründen vorgezogen. Eine Ansicht, die durch das erste mittels elektrischem Stuhl vollzogene Todesurteil gehörig ins Wanken geriet. Am 6. August 1890 sollte der Axtmörder William Kemmler im Aubrun-Staatsgefängnis im Bundesstaat New York durch Stromschläge getötet werden. Kemmler wurde auf dem Stuhl mit Gurten festgezurrt und 17 Sekunden lang unter Strom gesetzt. Er starb allerdings nicht. Erst als die Spannung verdoppelt wurde, war Kemmler nach qualvollen 70 Sekunden tot. Die anwesende Presse verurteilte den elektrischen Stuhl als äußerst grausame Art zu töten. Zuletzt wurde in den USA 2013 ein Mensch auf dem elektrischen Stuhl exekutiert. Seit Anfang der 1980er Jahre wird in den USA parallel die Todesstrafe durch letale Injektion, also durch die Giftspritze, vollzogen.

Weißrussland tötet immer
noch per Genickschuss


In Österreich wurden traditionell weder Stuhl noch Guillotine zur staatlichen Tötung verwendet. Hier bevorzugte man den sogenannten Würgegalgen. Lediglich zur Zeit des Nationalsozialismus kam die Guillotine am Wiener und Grazer Landesgericht zum Einsatz. Zu Beginn der Zweiten Republik wurde die Todesstrafe für schwere Delikte - unter anderem für während der NS-Zeit begangene Verbrechen - noch vollzogen. 1950 wurde sie für ordentliche, 1968 für standrechtliche Verfahren abgeschafft.

In Europa erscheint uns die Todesstrafe als barbarische, längst überwundene Methode des Rechtsstaats. Dabei findet sie auch hier noch immer statt. Weißrussland tötet durch Genickschuss. Informationen darüber gelten als Staatsgeheimnis. Verlässliche Daten sind kaum zu finden. Laut weißrussischem Justizministerium sollen zwischen 1990 und 2011 326 Menschen exekutiert worden sein.

Laut Amnesty International wurden im Jahr 2016 1032 Menschen weltweit hingerichtet. Nicht erfasst wurden jedoch die Hinrichtungen in China, die auf mehrere tausend geschätzt werden. China behandelt die Todesstrafe als Staatsgeheimnis.