Kritik an Datensammelwut

Auch das Geschäftsmodell der Citybike-Firmen ruft die Kritiker auf den Plan: Denn es stellt sich die Frage, wie Ofo, Mobike und Bluegogo eigentlich ihr Geld verdienen. Denn mit den billigen Leihgebühren kommen die Unternehmen nicht sehr weit, auch wenn es von Expertenseite heißt, dass schon zwei oder drei Yuan Tageserlös ausreichen würden, um den Service kostendeckend anzubieten. Der eigentliche Schatz für die Fahrradverleihunternehmen liegt aber in der Abschöpfung der Bewegungsdaten der Nutzer. Denn dank GPS wissen die Firmen, wer wann mit wem wo durch die Stadt radelt. Und diese Daten sind Gold wert. Denn in China gibt es so gut wie kein Datenschutzrecht, die Fahrradverleiher hoffen, mit dem Verkauf der Bewegungsdaten gutes Geld zu verdienen.

Begeisterte Stadtplaner

Die Stadtplaner reagieren dennoch höchst positiv auf die plötzliche Fahrradbegeisterung der chinesischen Städter. Seit Jahren versuchen sie vergeblich die Blechlawinen, die sich täglich durch die chinesischen Metropolen wälzen, einzudämmen. Das Auto ist in China ein wichtiges Statussymbol. Wer mit dem Velo anradelt, galt bisher als Verkehrs-verhaltensauffällig und höchst suspekt. Das hat sich nun gewandelt. Fahrradfahren ist dank der Leihräder - vor allem bei der jüngeren Generation - wieder schick.

Die Hoffnung der Verkehrsexperten: Dass möglichst viele Stadtbewohner vom Auto auf den kombinierten Fahrrad-/U-Bahn-Transport umsteigen. Für die Umweltschützer ist der Fahrradboom ein Argument, von den Stadtverwaltungen den Ausbau des Fahrradwegenetzes zu verlangen. Zuletzt wurden in vielen chinesischen Metropolen die Fahrradwege dem Autoverkehr geopfert, dieser Trend könnte sich angesichts des jüngsten Fahrradbooms im Reich der Mitte nun wieder umkehren.