Jerusalem. Wer gehofft hat, dass der Freitag Entspannung zwischen Israelis und Palästinensern bringt, wurde enttäuscht: Aus Furcht vor neuen Protesten schränkte Israel vor den Freitagsgebeten den Zugang zum Tempelberg erneut ein. Männer unter 50 Jahre würden nicht zur Al-Aksa-Moschee gelassen, teilte die Polizei mit. Zudem wurden zusätzliche Polizeieinheiten in die Jerusalemer Altstadt entsandt. Es gebe Anzeichen dafür, dass Unruhen und Demonstrationen geplant seien. Im Westjordanland erschossen israelische Soldaten einen palästinensischen Angreifer. Er sei mit einem Messer auf Sicherheitskräfte zugerannt, teilte die Armee mit. Ein weiterer Palästinenser wurde laut Gesundheitsministerium in Ramallah bei Konfrontationen mit Soldaten erschossen.

Die Hoffnung auf eine vorläufige Entspannung im Streit um den Tempelberg hatte sich bereits am Donnerstag zerschlagen: Nachdem Israel die umstrittenen Sicherheitsvorrichtungen wieder abgebaut hatte, kamen zwar erstmals seit zwei Wochen wieder Palästinenser zu Gebeten in die heilige Stätte - es sah ganz so aus, als sei der Streit um den Tempelberg entschärft. Doch gab es kurz darauf wieder Zusammenstöße mit israelischen Sicherheitskräften, dutzende Menschen wurden verletzt. Vor dem Tempelberg warfen Palästinenser Plastikflaschen, die israelischen Sicherheitskräfte setzten Blendgranaten ein.

Netanjahu will Todesstrafe
für 19-Jährigen


Der Konflikt um den Tempelberg war Mitte Juli wieder eskaliert, nachdem Palästinenser in der Jerusalemer Altstadt zwei Polizisten getötet hatten. Israel versah die Zugänge zu den muslimischen Gebetsstätten auf dem Tempelberg daraufhin mit Metalldetektoren und neuen Überwachungskameras. Israel begründete die Maßnahme damit, dass die Angreifer Waffen auf das Tempelberg-Gelände geschmuggelt hätten.

Aus Protest gegen die Sicherheitsvorkehrungen und aufgestachelt von Gerüchten, Israel wolle den fragilen Status quo bei der Kontrolle des Areals zu seinen Gunsten verändern, boykottierten die Muslime die Kontrollstellen und protestierten teilweise gewaltsam in Ost-Jerusalem. Für Palästinenser wurden dabei getötet. Im besetzten Westjordanland erstach ein palästinensischer Angreifer in einer Siedlung drei Israelis. Netanjahu forderte am Donnerstag die Todesstrafe für den 19-Jährigen.

Das letzte Mal vollstreckt wurde die Todesstrafe in Israel 1962 mit der Hinrichtung des österreichischen Nazi-Verbrechers Adolf Eichmann. 1954 hatte Israel die Todesstrafe aus seinem zivilen Strafgesetzbuch verbannt, es sei denn gegen Naziverbrecher.

Im Fall des Attentäters im Westjordanland würde Militärrecht gelten: Drei Militärrichter müssen der Vollstreckung einstimmig zustimmen.

Heiligtum mit
vielen Regelungen


Etliche Regelungen am Tempelberg gab es schon vor dem Streit um neue Sicherheitsmaßnahmen. Touristen und nicht-muslimische Besucher müssen durch einen Eingang mit Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren. Nur Muslime dürfen auf dem Plateau beten.

Auf dem Areal ist die jordanische Waqf-Behörde mit rund 50 Sicherheitskräften verantwortlich. Sie achten darauf, dass sich Besucher und Gläubige angemessen verhalten und kleiden. Männer und Frauen dürfen beispielsweise nicht in kurzen Hosen herumlaufen. Es gibt auch eine israelische Polizeistation mit bewaffneten Kräften auf dem Gelände.

Der Tempelberg (Al-Haram al-Sharif/Edles Heiligtum) in Jerusalem ist das drittwichtigste Heiligtum des Islams nach Mekka und Medina. An seinem Fuß befindet sich auch die jüdische Klagemauer, einziger Überrest des von den Römern im Jahr 70 zerstörten Zweiten Jüdischen Tempels und höchstes Heiligtum des Judentums.

Um den Tempelberg gibt es zwischen Israel und den Palästinensern seit Jahrzehnten Streit. Im Jahr 2000 führte ein Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers Ariel Sharon zum Beginn eines Palästinenseraufstands, der Zweiten Intifada. Der gewaltsame Konflikt hielt bis 2005 an und breitete sich von Jerusalem auf den Gazastreiten und das Westjordanland aus.

Der Tempelberg