Tampa. Erst jetzt wird deutlich, welche Verwüstungen die Hurrikane "Irma" und "Harvey" in den USA und der Karibik hinterlassen haben. Der wirtschaftliche Schaden wird auf 150 bis 200 Milliarden Dollar geschätzt. Die Auswirkungen der Katastrophen-Stürme auf das Wachstum des US-Bruttoinlandprodukts dürfte im dritten Quartal bei fast 0,5 Prozentpunkten liegen, so die Schätzungen der Ratingagentur Moody’s.

Nun finden sich immer mehr europäische Politiker in der Krisenregion ein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begann am Dienstag seinen Krisenbesuch in Pointe-a-Pitre auf der Karibikinsel Guadeloupe. Im weiteren Tagesverlauf besuchte er die von "Irma" verwüsteten Inseln Saint-Martin und Saint-Barthelemy. Der Präsident wurde von Gesundheitsministerin Agnes Buzyn und Bildungsminister Jean-Michel Blanquer begleitet. Er brachte aus Frankreich Experten und Hilfsgüter mit.

Saint-Martin teilt sich in einen französischen und einen niederländischen Teil, genannt Sint Maarten. Mindestens zehn Menschen kamen auf französischer Seite ums Leben, sieben Menschen wurden vermisst. Die niederländischen Behörden zählten mindestens vier Todesopfer.

"Das übersteigt alle Vorstellungskraft", so der niederländische König Willem-Alexander, der ebenfalls in das Katastrophengebiet reiste. "So etwas habe ich noch nie gesehen. Und ich habe ziemlich viel Naturgewalt und Kriegsgewalt gesehen." Nach wachsender Kritik an den Hilfsmaßnahmen der Londoner Regierung kündigte Großbritanniens Außenminister Boris Johnson ebenfalls an, in die Karibik zu reisen. "Irma" hatte auch britische Überseegebiete verwüstet.

In Florida begannen die ersten Aufräumarbeiten. Der Sturm riss in vielen Teilen des US-Bundesstaates Hausdächer herab und kappte Leitungen. 6,2 Millionen Haushalte waren ohne Strom - fast 60 Prozent aller Anschlüsse in Florida.

Nach Angaben des Hurrikanzentrums in Miami gingen die Sturmfluten in den Küstengebieten langsam zurück. Gefahr durch Überschwemmungen besteht jedoch weiter. Die weitläufige Metropole Jacksonville, mit rund 880.000 Einwohnern die größte Stadt des Bundesstaats, steht unter Wasser. Die Pegelstände erreichen Rekordhöhen. Ein Park in der Stadt gleicht einem See. Die Behörden versprachen, so schnell wie möglich die Strom- und Trinkwasserversorgung wieder herzustellen. In manchen Gebieten könnte dieses Vorhaben aber Wochen dauern.

Floridas Gouverneur Rick Scott meinte am Dienstag, man wolle "allen helfen, so schnell wie möglich wieder zum normalen Leben zurückzukehren". Das werde einige Zeit dauern, seien die Schäden mancherorts doch sehr groß.

Das Rote Kreuz warnte vor den Gefahren durch überflutete und unterspülte Straßen sowie abgerissene Stromkabel. In der Karibik gab es 37 Todesopfer, darunter zehn in Kuba, wie ABC berichtete. In den USA starben dem Sender zufolge weitere elf Menschen.

Einige Karibik-Gegenden gelten bereits als unbewohnbar


"Irma" war am vergangenen Mittwoch erstmals auf der kleinen Karibikinsel Barbuda an Land getroffen. Er war der stärkste jemals über dem Atlantik entstandene Hurrikan. Zudem hatte kein Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen über einen so langen Zeitraum Windgeschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern. Einige Gegenden in der Karibik wurden so schwer zerstört, dass sie als unbewohnbar gelten.

Auf den Florida Keys boten sich Bilder massiver Verwüstung. Die Inseln waren von der Außenwelt abgeschnitten, Telefon- und Internetverbindungen unterbrochen. Auf Bildern waren zerstörte Häuser zu sehen, sie hatten sich zum Teil von ihren Fundamenten gelöst. Boote wurden aufs Land gespült, Bäume waren eingeknickt. Die Inselgruppe vor der Südspitze Floridas war am Sonntag direkt vom Zentrum des Sturms getroffen worden.