Kemerowo. Bei einer Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum der sibirischen Stadt Kemerowo sind mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen. Damit liegt die Opferzahl weit über den ersten Einschätzungen, wie der Leiter des Zivilschutzes, Wladimir Putschkow, sagte.

Wachmann deaktivierte Feueralarm 

Wie nun bekannt wurde, hatte ein Wachmann den Feueralarm deaktiviert. Das teilte das staatliche Ermittlungskomitee am Montag in der sibirischen Stadt Kemerowo mit. Der Mann habe den Alarm ausgeschaltet, nachdem er ein Signal über Feuer im Gebäude erhalten hatte. Warum er das tat, war zunächst nicht bekannt.

Das Feuer war am Sonntagabend im vierten Stock des Einkaufszentrums ausgebrochen. Es erfasste innerhalb kurzer Zeit eine Fläche von rund 1.600 Quadratmetern. Zahlreiche Menschen galten in der Industriestadt rund 3.000 Kilometer östlich von Moskau noch Stunden später als vermisst. Dutzende wurden bei dem Brand verletzt. Viele Menschen sind ersten Ermittlungen zufolge gestorben, weil sie die Flammen zu spät bemerkten und Notausgänge versperrt gewesen sein sollen.

Unter den Opfern sind viele Kinder

Viele der bisher 64 Opfer sind Kinder, die zunächst nicht identifiziert werden konnten. Eine Schulklasse aus der Provinz war zum Zeitpunkt des Brandes im Kino - acht von ihnen sollen nicht überlebt haben.

Das Feuer war am frühen Sonntagabend im vierten Stock des Einkaufszentrums ausgebrochen. Es erfasste innerhalb kurzer Zeit eine Fläche von rund 1.600 Quadratmetern. Das Shopping-Center "Simnjaja Wischnja" (Winterkirsche), das wegen seines Kinos und eines Tiergeheges besonders bei Familien beliebt ist, war 2013 in der Industriestadt rund 3.000 Kilometer östlich von Moskau eröffnet worden.

Überlebende berichten von dramatischen Szenen

Überlebende berichteten von dramatischen Szenen: Es habe keinen Feueralarm gegeben, die Eingangstüren des Kinos seien verschlossen gewesen. Mitarbeiter des Einkaufszentrums hätten kaum Maßnahmen zur Rettung ergriffen und die Notausgänge blockiert. Als die Türen aufgingen, seien die Korridore bereits voller Rauch gewesen.

Ein Mädchen rief Berichten zufolge aus dem brennenden Kinosaal noch seine Eltern an und verabschiedete sich mit den Worten: "Wir brennen. Ich liebe euch, macht's gut. Ich kann nicht atmen." Ein Elfjähriger sei auf der Flucht vor den Flammen aus einem Fenster im vierten Stock gesprungen, sagte Gesundheitsministerin Veronika Skworzowa, als sie das örtliche Krankenhaus besuchte. Seine Eltern und der jüngere Bruder überlebten das Feuer nicht.