Tel Aviv. Israel hat am Donnerstag der sechs Millionen Juden gedacht, die während des Holocaust von den Nationalsozialisten und ihren Helfershelfern ermordet wurden. Am Vormittag heulten landesweit zwei Minuten lang die Sirenen. Fahrer stiegen aus ihren Autos, Fußgänger hielten an und verharrten in stillem Gedenken.

Zahlreiche Israelis nahmen am Mittwochabend an dem Programm "Erinnerung im Wohnzimmer" teil. Dabei erzählen Überlebende oder ihre Nachfahren anderen Israelis in privaten Häusern von Erlebnissen während des Holocaust.

Bei der offiziellen Eröffnungszeremonie hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu am Mittwochabend in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem warnende Worte an den Iran gerichtet. "Ich habe eine Botschaft an die iranischen Herrscher: Stellt die Entschlossenheit des Staates Israel nicht auf die Probe." Netanyahu verglich das internationale Atomabkommen mit dem Iran mit dem Münchner Abkommen von 1938. Frankreich und Großbritannien hatten damals zugestimmt, dass Nazi-Deutschland sich die Sudetengebiete einverleibt.

Netanyahu warnt Iran

"Es gibt jene, die sich - wie in München 1938 - Illusionen machen und glauben, dass dieses Abkommen mit dem mörderischen Regime seine Aggressivität stoppen wird", sagte Netanyahu. "Aber im Verlauf der Geschichte haben wir immer wieder gesehen, wie Abkommen mit solchen Regimen nicht das Papier wert waren, auf dem sie geschrieben standen."

Mehr als sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkriegs wohnen in Israel nach Angaben des zuständigen Finanzministeriums noch rund 220.000 Holocaust-Überlebende. Die Behörde hatte zuletzt ihre Definitionen erweitert. Demnach erhalten auch Juden aus arabischen Staaten heute Entschädigungszahlungen.

Erinnerung an Holocaust-Opfer in Polen

Mit dem "Marsch der Lebenden" wird in Auschwitz in Polen wird an die sechs Millionen Opfer der Schoah erinnert. Rund 12.000 junge Juden aus Israel und aller Welt gehen von Auschwitz nach Birkenau, dem größten der deutschen Vernichtungslager. Laut Veranstaltern ist es die bisher größte Teilnehmerzahl in der 30-jährigen Geschichte des Marsches. Zum Jubiläum der jährlich stattfindenden Prozession werden 70 Holocaust-Überlebende sowie die israelischen und polnischen Präsidenten Reuven Rivlin und Andrzej Duda erwartet.