Von dem Fenster des Fatah-Büros knattert ein Motorrad vorbei, das Klicken eines Feuerzeugs. Die Palästinenser kamen nach Shatila unter dem Versprechen, dass sie innerhalb von drei Wochen wieder in ihre Häuser nach Palästina zurückkehren werden, so Hassan. "Wir warten jetzt seit 70 Jahren auf unsere Rückkehr."

"Wir wollen nicht die Bombe sein, die den Libanon sprengt"

Neben UNRWA unterstützen auch Fatah und die von ihr dominierte PLO die Menschen im Camp, so Hassan. Das Sozialzentrum der PLO stelle pro Monat 600.000 US-Dollar zur Verfügung. Der Parteivorsitzende Mahmoud Abbas habe eine Stiftung eingerichtet, die die Studiengebühren junger Palästinenser bezahlt, die an libanesischen Universitäten studieren. "4500 Studenten profitieren von diesem Programm."

Die Verwaltung des Camps und die Kommunikation mit den libanesischen Behörden obliegt der Fatah. Wichtig sei ihnen, alles zu unterlassen, was die Sicherheit im Libanon gefährden könnte, so Hassan. "Wir wollen nicht die Bombe sein, die den Libanon sprengt." Daher mischen sie sich nicht in die libanesische Politik ein. "Unsere Arbeit hier ist eine zivilgesellschaftliche", sagt Hassan, "keine militärische."

Doch auch wenn Fatah nach außen hin jeden Konflikt meidet, brodelt es innerhalb der palästinensischen Gruppen. Im März 2018 berichtet die libanesische Zeitung "Daily Star" von einer Schießerei im Camp, bei der mindestens ein Mann getötet wurde. Viele der Camp-Bewohner stehen politischen Gruppen wie der Fatah kritisch gegenüber.

Sadiqa, schwarze Bluse und Kopftuch, stellt die Kaffeekanne auf den Gasherd. Durch das Küchenfenster blickt sie auf die Wand des Nachbarhauses. "Die politischen Parteien im Camp helfen uns nicht wirklich", sagt sie. "Wenn du etwas von ihnen willst, musst du Parteimitglied sein und für sie arbeiten." Sadiqa lebt mit ihrem Ehemann und drei ihrer vier Kinder in der kleinen Wohnung im Labyrinth von Shatila. 200 US-Dollar Miete bezahlt sie für die winzige Küche, ein Wohn- und ein Schlafzimmer. Würde sie heute eine Wohnung suche, wäre es noch viel teurer. Auch weil die Nachfrage durch die vielen Flüchtlinge gestiegen ist. "300 bis 400 US-Dollar für ein dreckiges Loch, inklusive Ratten", sagt sie und streichelt ihre Katze.

"Die Schießereien häufen
sich in letzter Zeit"

Im Wohnzimmer sitzt ihre Tochter, die heute auf Besuch ist. Ihr Bauch ist gewölbt, sie ist im fünften Monat schwanger. Neben ihr steckt sich Sadiqas Schwiegersohn Mohammad eine Zigarette an. "Die Schießereien häufen sich in letzter Zeit", sagt Sadiqa. Dann wird es dunkel, der Strom ist ausgefallen. Schwiegersohn Mohammad stimmt ihr zu: "Jede Woche gibt es Kämpfe. Dabei sterben immer wieder unschuldige Passanten." Die libanesische Regierung sei an der Situation nicht unschuldig, so Mohammad. Der Geheimdienst sehe zu, wie Waffen ins Camp gelangen. "Hier erschießen sich die Menschen und die Regierung greift nicht ein - es wäre besser, würde die Regierung das Lager kontrollieren." Irgendwo springt ein Generator an und es wird wieder hell.