350.000 illegale Abbrüche

Argentiniens Abtreibungsbefürworter blieben trotz der Ablehnung im Senat optimistisch. Immerhin wurde das Thema enttabuisiert, war der Tenor.

Amnesty International bezeichnete die Abstimmung unterdessen als "verpasste historische Chance". Die Senatoren hätten entschieden, "den hunderttausenden Frauen und Mädchen, die für ihre sexuellen und reproduktiven Rechte kämpfen, den Rücken zuzukehren".

Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums werden jährlich mehr als 350.000 illegale Abbrüche in Argentinien durchgeführt. Rund 50.000 Frauen werden jährlich wegen Komplikationen bei oder nach solchen Eingriffen in Spitäler eingeliefert.

Nach der gültigen Gesetzgebung von 1921 machen sich bei einem Abbruch nicht nur die Ärzte, sondern auch die Frauen strafbar. Zwischen 2007 und 2016 sind in Argentinien 63 Menschen in Verbindung mit illegalen Abtreibungen vor Gericht verurteilt worden.

Restriktives Europa

In den meisten Ländern der Welt ist der Schwangerschaftsabbruch ein Fall für das Strafgesetzbuch - und nur in Ausnahmen legal. Das betrifft auch Österreich. In Europa gibt es ebenfalls viele Länder mit einer restriktiven Gesetzgebung.

Erst im Mai kippten die Iren eines der striktesten Abtreibungsverbote in ganz Europa. So sah das Gesetz bis dahin 14 Jahre Haft für den Versuch eines Abbruchs vor. Frauen wurde auch eine Abtreibung verweigert, wenn die Gesundheit der Mutter "bloß" gefährdet war, der Fötus fehlgebildet oder das Resultat einer Vergewaltigung war. Viele Irinnen mussten deshalb eine Reise nach Großbritannien unternehmen, um einen Abbruch durchführen zu können. In Nordirland besteht das Verbot.

Ähnlich restriktiv sind Malta, Andorra und San Marino - diese Länder verbieten einen Abbruch ausnahmslos. Aber auch in Monaco, Liechtenstein, Irland, Nordirland und Polen ist der Abbruch verboten.

Hierbei spielt Polen aber eine Ausnahme: Das Land hatte, wie viele ex-kommunistische Nachbarn, eine liberale Regelung. Der Schwangerschaftsabbruch war in jedem Krankenhaus auf Wunsch und kostenfrei möglich. Doch auf Druck Papst Johannes Pauls II. erließ das Parlament 1993 ein Gesetz, das Abtreibung wieder verbietet. Ausgenommen von Strafe sind Abbrüche, wenn die Frau vergewaltigt, oder sie Opfer von Inzest wurde, oder der Fötus stark beschädigt ist, oder die Schwangerschaft eine Gefahr für die Gesundheit der Frau darstellt. Tatsächlich lehnen aber viele Ärzte und Spitäler den Eingriff ab oder vergeben über Wochen keinen Termin, was dazu führt, dass die legale Frist von drei Monaten überschritten wird. Viele Polinnen nehmen daher vermehrt einen Abbruch im Ausland vor, insbesondere in der Slowakei und in Österreich.

Für viele Mediziner wie Frauen weltweit ist Kanadas Regelung vorbildlich: Hier erklärte der Oberste Gerichtshof bereits 1988, dass das Strafgesetz mit dem Schwangerschaftsabbruch nichts zu tun haben darf. Die Verbindung sei menschenrechtswidrig. Der Tatbestand wurde ersatzlos aufgehoben.