Hongkong/Manila. Nachdem "Mangkhut" auf den Philippinen mehr als zwei Dutzend Menschen getötet hat, hat der Taifun seine Zerstörungskraft auch im Süden Chinas entfaltet. Das nationale Wetteramt gab am Sonntag die höchste Taifun-Alarmstufe aus und warnte vor dem möglicherweise stärksten Taifun dieses Jahres an der Küste.

Zehntausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht und Schiffe zurück in die Häfen beordert.

Die Millionenmetropole Hongkong kam beinahe vollständig zum Stillstand. Fernsehsender zeigten Bilder von überfluteten Straßen und starken Regenfällen, die sich über der Stadt entluden. Heftiger Wind entwurzelte Bäume, zerstörte Fensterscheiben und brachte einen Baukran zum Einsturz. Die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" zeigte auf ihrer Website Bilder einer geräumten Hotellobby, die von Wasser überflutet wurde.

Hunderte Flüge wurden gestrichen, der Nahverkehr eingeschränkt und Bewohner aus tief liegenden Gebieten in Sicherheit gebracht. Das Wetteramt warnte vor Sturmfluten und Überschwemmungen, die noch schwerere Verwüstungen anrichten könnten als Taifun "Hato" im vergangenen Jahr, für den Hongkong zuletzt die höchste Warnstufe ausgegeben hatte.

Auch die für ihre Casinos- und Luxushotels berühmte Stadt Macao ging vor dem Taifun in Deckung. Hier waren durch "Hato" - der schlimmste Taifun seit 50 Jahren - mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Behörden ordneten am Samstagabend die Schließung der Casinos an.

Die Zahl der Taifun-Opfer auf den Philippinen stieg laut den Behörden auf 25. 20 der Opfer stammten aus der im Norden des Landes liegenden Region Cordillera, darunter eine sechsköpfige Familie, deren Haus in Baguio City durch einen Erdrutsch verschüttet wurde. Eine vierköpfige Familie wurde in der Provinz Nueva Vizcaya getötet - ebenfalls durch einen Erdrutsch. In der Provinz Kalinga wurde ein Mann von einem herabstürzenden Felsbrocken getötet.

Samstagfrüh war der Taifun begleitet von starken Regenfällen mit voller Wucht im Norden der Philippinen auf Land getroffen, knapp 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Manila. Dabei schwächte er sich mit Windgeschwindigkeiten von 170 Kilometern pro Stunde etwas ab. Böen erreichten 285 Kilometer pro Stunde. Der Sturm entwurzelte Bäume, zerstörte Häuser und löste zahlreiche Erdrutsche aus. Mehr als vier Millionen Menschen waren nach Angaben der Behörden vom Samstag ohne Strom. Insgesamt sollen mindestens 5,2 Millionen Menschen von dem Sturm betroffen sein. Das Rote Kreuz der Philippinen geht aufgrund der Zerstörungskraft sogar von bis zu zehn Millionen aus.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte wollte sich am Sonntag vor Ort einen Eindruck von der Katastrophe verschaffen. "Mangkhut" war bisher der stärkste Taifun in diesem Jahr auf den Philippinen.

Die Philippinen werden jedes Jahr von etwa 20 Taifunen heimgesucht. Einer der stärksten Taifune der vergangenen Jahre war "Haiyan" im November 2013. Damals starben mehr als 6300 Menschen, mehr als vier Millionen verloren ihr Zuhause.

100 Tote auf den Philippinen befürchtet

Auf den Philippinen könnten bis zu 100 Menschen durch Wirbelsturm "Mankhut" ums Leben gekommen sein. Ein Erdrutsch habe eine von Bergwerksarbeitern bewohnte Baracke unter sich begraben, sagte der Bürgermeister der Stadt Itogon im Norden des Landes am Sonntag im philippinischen Radio - in dem Haus hätten sich mindestens 40 Menschen aufgehalten.

Auch 32 weitere Bewohner seiner Stadt seien wahrscheinlich ums Leben gekommen. Zunächst hatten die Behörden 29 Tote gemeldet. In Itogon habe nur eines dieser bisher bestätigten Opfer gelebt, sagte Bürgermeister Victorio Palangdan.

Der Taifun war am Wochenende über den Norden des Inselstaats gezogen und hatte heftige Regenfälle und Überschwemmungen mit sich gebracht. "Mangkhut" verursachte nicht nur Sturmschäden, sondern löste auch eine Reihe von Erdrutschen aus. Der Wirbelsturm wütet nun an Chinas Südküste.