Columbia. Selbst Gottes Beistand hat ihnen bisher nicht geholfen. Zu groß ist die Macht von Konzernen, Gerichten und Behörden. Seit mehr als drei Jahren kämpfen die Schwestern des Ordens "Anbeterinnen des Blutes Christi" im US Bundesstaat Pennsylvania gegen den Bau einer Gas-Pipeline. Es ist ein Kampf wie David gegen Goliath. Doch im Moment sieht es nicht gut aus für die Schwächeren, es hilft wohl nur noch ein Wunder. Aber der Reihe nach.

Der Orden besitzt gut 30 Hektar Land in Lancaster County, durch das künftig unterirdisch Gas zu einem Export-Terminal im benachbarten Maryland strömen soll, wo es als verflüssigtes Erdgas in alle Welt verschifft werden kann. Die 30 Nonnen sehen durch den Bau der Gasleitung ihre "tief verwurzelten religiösen Überzeugungen über die Heiligkeit der Erde" verletzt. "Gottes Kreation gilt es zu respektieren", sagt Schwester Bernice Klostermann.

Die 78-jährige Frau mit den kurzen Haaren, Brille, die eine gestreifte Bluse statt der Ordenstracht trägt, ist katholische Nonne, seit sie 20 war. Ihr Orden will die Umwelt für die nächsten Generationen bewahren und verhindern, dass Konzerne sie zerstören, um Geld zu machen.

Eine kleine Kapelle ist zum Symbol des Protests geworden - wobei Kapelle ein recht großes Wort ist für die Laube, die seit vergangenem Jahr auf einem Maisfeld nahe der Gemeinde Columbia steht: wenige Holzbalken, ein kleiner Altar aus einem Baumstumpf, auf dem Dach ein blutendes Herz mit einem Kreuz, das Zeichen des Ordens.

Doch der Verschlag erfüllte seinen Zweck: für das Morgen- und Abendgebet dreimal pro Woche plus Messe am Sonntagabend - und als Schutz des für sie heiligen Landes.

Angst vor einem Leck


"Die Pipeline läuft durch Gewässer und Wälder, sie zerstört den Lebensraum von Tieren, ruiniert die Farmen von Menschen", sagt Klostermann. Sie fürchtet Verschmutzungen der Natur und Verunreinigung des Trinkwassers bis hin zu Explosionen. Ein Leck in einer Röhre mit einem knappen Meter Durchmesser, die unter vollem Druck steht, könne verheerende Folgen haben", sagt sie. "Das ist so gefährlich."

Der Landkreis Lancaster County besticht durch dünn besiedelte, wunderschöne Landschaft. Am auffälligsten sind Farmen, Felder und Weiden, die sich meilenweit ziehen. Tourismus und Landwirtschaft sind die wichtigsten Wirtschaftszweige. Pennsylvania ist zugleich aber auch einer der Staaten, in denen das meiste Erdgas gefördert wird.

"Unser Präsident scheint nicht zu begreifen, was der Klimawandel für unseren Planeten bedeutet", sagt Klostermann. "Er ist so fokussiert auf Macht und Konzerne, dass ich mich frage, ob er die einfachen Menschen überhaupt versteht. Jene, die die Folgen zu spüren bekommen."