Im vergangenen Jahrzehnt haben sich die USA vom Gasimporteur zum großen Verkäufer gewandelt. Trump möchte, dass sein Land zu den größten Exporteuren von Flüssiggas aufsteigt. Sein Ziel lautet: "Wir werden amerikanische Energie überall auf dem Globus exportieren."

Flüssiggas symbolische Geste?


Im vergangenen Jahr legten erstmals mit US-amerikanischem Flüssiggas beladene Tanker in Polen und Litauen an. Erst vor einigen Wochen sprachen sich Trump und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker für höhere Gasexporte nach Europa aus. Vergangene Woche warben Richard Grenell, US-Botschafter in Deutschland, und Vize-Energieminister Dan Brouillette im "Handelsblatt" für mehr Gaslieferungen aus Amerika nach Europa. "Die USA sind in der Lage zu liefern, und die Europäer würden profitieren."

Anna Mikulska sieht das anders. "Ich glaube nicht, dass es in Europa einen großen Markt für Flüssiggas aus den USA gibt", sagt die Energieexpertin der renommierten University of Pennsylvania in Philadelphia. Gas aus Amerika sei teurer als Flüssiggas anderer Anbieter, etwa Katar. Mit russischen Pipelines könnten die USA gar nicht konkurrieren. "Für Osteuropa sind die Lieferungen in erster Linie symbolische Gesten." US-amerikanische Firmen würden vielmehr "nach Asien drängen, weil dort die Margen höher sind".

Die Exporte könnten helfen, Handelsdefizite, etwa mit China, auszugleichen, sagt auch Charlie Riedl, Direktor des Center for Liquefied Natural Gas, einer Lobbyorganisation in Washington. Das Weiße Haus betrachte die Entwicklungen in Sachen Flüssiggas als positiv, weil neue Jobs in den USA entstünden. Hinzu kämen "signifikante Steuereinnahmen", die jährlich Milliarden in den Haushalt spülen sollen.

In Lancaster County ist das Misstrauen zwischen Gasindustrie und ihren Gegnern tiefer als jedes Bohrloch. Weil die Gegenseite stark ist, haben sich die Nonnen Unterstützung geholt von der Gruppe Aktivisten "Lancaster against Pipelines".

Vor einem Jahr übten sie für den Ernstfall: den Baubeginn der Pipeline Atlantic Sunrise. Auf einer Lichtung schlug das Bündnis ein Trainingslager auf, probte Sitzblockaden, Verhandlungstaktiken bei Festnahmen und wie sich eine singende Menschenkette um die Kapelle bilden lässt.

Ihr Kampf richte sich nicht bloß gegen eine Pipeline, erklärte Tim Spiese, Anführer des Bündnisses, die Pipeline sei nur "ein Symptom für dieses verdorbene System". Der sportlicher 60-Jähriger mit zerzausten grauen Haaren könne nicht verstehen, dass ausgerechnet Republikaner - die Konservativen - "nicht konservieren, nicht erhalten wollen, was wir hier haben".

"Die Kraft kommt von oben"


Die Schwestern hatten sich auf einen langen Kampf eingestellt. "Die Kraft kommt von oben", sagte Klostermann. In den folgenden Monaten rückten Bauarbeiter an, rissen die Erde auf. Bei Protestaktionen nahm die Polizei 50 Aktivisten fest. Widerstand gegen die fast 300 Kilometer lange Leitung gab es auch anderswo, aber nirgendwo war er so stark wie in Lancaster County. Trotzdem liegen hinter der Kapelle, wo zuvor der Mais in den Himmel spross, jetzt schwere Röhren betriebsbereit unter der Erde. Das Energieunternehmen Williams stützte sich dabei auf ein Gesetz, das ihm nach Zustimmung der Regulierungsbehörde das Recht gibt, Pipelines über fremdes Privatland zu verlegen.

Im Juli wies ein Bundesberufungsgericht eine Klage des Ordens ab. Bestätigt wurde die Entscheidung der unteren Instanz, die in dem Fall keine Verletzung der Religionsfreiheit sah. Ist der Kampf damit beendet?

Nicht ganz. Die Nonnen wollen versuchen, das Verfahren vor den Obersten Gerichtshof zu bringen. Klostermann weiß, dass weniger als fünf Prozent der Anträge überhaupt zugelassen werden, dennoch ist sie "voller Hoffnung". Gleichzeitig planen die Nonnen einen Solarpark auf ihrem Grundstück, entlang der Pipeline, als Zeichen, "dass wir saubere und nachhaltige Energiequellen wollen".