Nobelpreisträger Tony Rinaudo wurde schon vor drei Jahren von WZ-Korrespondent Philipp Hedemann in Äthiopien und Malawi begleitet. - © Hedemann
Nobelpreisträger Tony Rinaudo wurde schon vor drei Jahren von WZ-Korrespondent Philipp Hedemann in Äthiopien und Malawi begleitet. - © Hedemann

Humbo. "Als ich das erste Mal hier war, gab es keinen einzigen Baum." Tony Rinaudo ist verzückt wie ein Kind vor dem Weihnachtsbaum, als er aus der unbarmherzig brennenden Sonne in die Kühle des Waldes von Humbo tritt.

Hier, im Süden Äthiopiens, spenden die Bäume nicht nur Schatten, sie sind auch der Beweis dafür, dass Rinaudo recht hatte und dass sein jahrzehntelanger Kampf für die Wiederbegrünung Afrikas nicht vergebens war. Mit einer von ihm entdeckten Methode sind seit 1983 auf einer Fläche von mehr als sechs Millionen Hektar Bäume zurückgekehrt. Der australische Waldmacher hat so Millionen Menschenleben verbessert - und sich dennoch viele Feinde gemacht.

"Mach mich zu Deinem Werkzeug"


Alles fing mit einem Flugzeug und einem Bulldozer an. Das Flugzeug sprühte in der Nähe der australischen Stadt Wangaratta Insektenvernichtungsmittel auf eine Tabakplantage, der Bulldozer schob einen Wald zur Seite, damit auf der entstehenden Brachfläche Monokulturen angelegt werden können. Der damals achtjährige Tony beobachtete, wie die Kängurus flüchteten und die Fische im nahegelegenen Fluss am Insektenvernichtungsmittel starben. Später sah er im Fernsehen, dass Kinder in Indien und Afrika starben, und dachte sich: "Mit den Werten der Erwachsenen stimmt etwas nicht. Sie zerstören die Natur und bauen Kraut zum Rauchen an, während Kinder verhungern." Der gläubige Junge betete und bat seinen Gott: "Mache mich zu Deinem Werkzeug, um die Welt besser zu machen."

Um das beste Werkzeug im Kampf gegen den Hunger zu sein, studierte Rinaudo Landwirtschaft. Als er seinen Abschluss in der Tasche hatte, schickte eine Missionarsgemeinschaft den damals 24-Jährigen in den Niger, eines der ärmsten Länder in der Sahelzone. "Gegen den Hunger musst Du Bäume pflanzen. Nur so kann die Ausbreitung der Wüste aufgehalten werden", hatte Rinaudo im Studium gelernt. Und so machte er, was vor ihm tausende Entwicklungshelfer getan hatten: Er pflanzte Bäume. Wie seine Vorgänger versenkte er viel Geld und Arbeit im Boden. "Ich habe 6000 Bäume pro Jahr gepflanzt. Wahrscheinlich kann man an einer Hand abzählen, wie viele heute noch leben", sagt Rinaudo.

Überall wachsen winzige
Triebe aus dem Sand


Der fromme Baumpflanzer begann, mit seinem Gott zu hadern. "Zeig mir endlich, wie ich helfen kann", betete er als er mit seinem Geländewagen und einem Anhänger voller Setzlinge unterwegs war. Als die Piste immer schlechter wurde, musste Rinaudo anhalten, um Luft aus den Reifen zu lassen, damit er mit dem Wagen nicht im Sand steckenblieb. Als er sich niederkniete, entdeckte er, dass mitten in der Wüste aus einem Baumstumpf ein Trieb wuchs. Rinaudo sah sich um und entdeckte, dass überall winzige Triebe aus dem Sand sprossen. Unter der Wüste verbarg sich ein dichtes Wurzelwerk. Die kaum sichtbaren Triebe waren nur die Spitze des Eisberges oder wie man in Afrika sagt: Die Ohren des Nilpferdes. "Zwei Jahre lang hatte ich diesen unterirdischen Wald nie gesehen. Endlich hatte Gott mir die Augen geöffnet", erzählt der Missionar.