Nicht viele Jugendliche träumen davon, Müllmann zu werden. Boyan Slat war einer von ihnen. Im Alter von 16 Jahren machte der Niederländer Urlaub in Griechenland. Er ging tauchen und sah unter Wasser "fast mehr Plastik als Fische". Die Skalierung des Erlebten auf das globale Ausmaß und die Vorstellung von Milliarden Tonnen Plastikmüll, die in den Weltmeeren herumschwimmen, bedrückte ihn. Denn Plastik ist biologisch träge. Es zerbricht zwar mit der Zeit und wird kleiner, kann aber von der Natur nicht vollständig abgebaut werden. Je kleiner die Stücke werden, um so gefährlicher sind sie. Seit Jahrzehnten trudeln laufend Medienberichte über verendete Meerestiere ein, deren Mageninhalt aus lauter kleinen Plastikteilen besteht. Slat dachte sich, dass es toll wäre, wenn man die unerwünschten Teile einfach mit einem Sieb herausfischen könnte. Aus dieser Überlegung entstand ein Schulprojekt, das er letztlich auch umsetzen wollte. Die Experten waren anfangs skeptisch, doch Slat ließ sich nicht beirren und gründete 2013 - im Alter von 19 Jahren - das Projekt "The Ocean Cleanup". Schon ein Jahr später hatte er durch Crowdfunding und 40.000 Unterstützer zwei Millionen Dollar gesammelt. Universitäten, Unternehmen und die niederländische Regierung begannen, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen. Das Konzept eines überdimensionalen Plastiksiebs wurde getestet, verbessert, getestet und weiter verbessert. Die Idee ist es, dort hinzugehen, wo die Ansammlung von Plastikmüll am größten ist - in die großen ozeanischen Wirbel. Davon gibt es zwei im Pazifik, zwei im Atlantik und einen im Indischen Ozean. Nach den zahllosen Tests und einem Probebetrieb in den Niederlanden ist die Müllauffang-Konstruktion "System 001" seit dem 11. September endlich offiziell in Betrieb. Es ist ein 600 Meter langer Schwimmkörper, an dem eine drei Meter tiefe Filterschürze angebracht ist. Einmal ausgebracht, schwimmt das System 001 mit der Meeresströmung und filtert Plastik ab einer Größe von zwei Zentimetern aus dem Meer. Durch die entstehende Abströmung verfangen sich auch keine Meerestiere im Filter. Einsatzort ist der sogenannte Great Pacific Garbage Patch. Schätzungen der Größe dieses ozeanischen Mülldepots reichen von 700.000 km2 (in etwa so groß wie Deutschland, Österreich und Italien zusammen) bis zu mehr als 15.000.000 km2 (so groß wie Russland). Über einen Einsatz von fünf Jahren sollen dort 60 Prozent des Plastiks herausgefischt werden. Dafür braucht es aber mehr von den Meeresfiltern. Insgesamt 60 sollen es vorerst einmal werden. Kostenpunkt pro Stück: 21 Millionen Euro (zum Vergleich: Ein österreichischer Eurofighter kostet über den Daumen 110 Millionen Euro). Slat ist zuversichtlich, dass dieser Preis es den Menschen wert sein wird, dass die Weltmeere zunehmend sauberer werden.