Tunis. Im Zentrum der tunesischen Hauptstadt Tunis ist es kurz vor 14 Uhr  zu einer schweren Explosion gekommen. Eine Frau sprengte sich in der Nähe einer Polizeistreife auf der Avenue Bourguiba in die Luft. Zuvor war sie zielgerichtet auf die Sicherheitskräfte vor dem Einkaufszentrum Le Palmarium zugegangen. Acht Polizisten und ein Zivilist wurden laut dem Innenministerium bei dem Anschlag verletzt.

Bei der Selbstmordattentäterin handelt es sich Behördenangaben zufolge um eine 30-jährige Frau ohne bekannte Verbindungen zu Extremisten. Die islamistische Partei Ennahdha verurteilte den "feigen Anschlag" und mahnte alle Tunesier, "sich gegen Terrorismus zu vereinen". Die Partei erklärte zudem ihre volle Unterstützung für "militärische Institutionen und der Polizei".

Die zentrale Prachtstraße, an der sich das Innenministerium, zahlreiche Restaurants und mehrere internationale Hotels befinden, wurde abgesperrt.

Im November 2015 wurden bei einem Anschlag auf einen Bus der Präsidentengarde zwölf Menschen und der Attentäter getötet. Zuvor hatte es im gleichen Jahr einen Anschlag an einem Touristenstrand in Sousse und im bei Touristen beliebten Bardo-Museum in Tunis gegeben. Dabei starben knapp 60 Menschen.

Erst vor kurzem wurde der Ausnahmezustand in Tunesien verlängert. Vor allem in den Regionen an der algerischen und der libyschen Grenze kommt es immer wieder zu Angriffen und Anschlägen auf Sicherheitskräfte.

Hintergrund

Tunesien ist das einzige arabische Land, das nach dem Arabischen Frühling von 2011 den Übergang zu einer Demokratie geschafft hat. Gleichzeitig stellen Tunesier die größte Gruppe ausländischer Kämpfer des Islamischen Staats (IS) im Irak und Syrien. In Libyen dürften sich etwa 1.500 tunesische IS-Mitglieder aufhalten. Viele davon dürften Tunesien nach dem Verbot der salafistischen Ansar al-Scharia verlassen haben.

Seit dem Frühjahr 2016 werden tunesische Soldaten von britischen Ausbildnern für Auseinandersetzungen mit Einheiten des Islamischen Staats geschult. Hightech-Geräte wie Sensoren und Spezialkameras wurden Tunesien von Deutschland und den USA zur Verfügung gestellt.

(Quellen: afp, APA, Ministère de l'Intérieur Tunisien, TAP)