Wien. Vielleicht beginnt man eine Wohnungsbesichtigung bei Michael Strasser am besten am WC. Dort erhält man einen schnellen Überblick darüber, was diesem Mann in seinem Leben so alles gelungen ist. Vom Boiler baumeln Gold- und Silber-Medaillen verschiedenster Bewerbe, darunter Triathlon-Staatsmeisterschaften. An den Wänden hängen Listen mit den Namen afrikanischer und lateinamerikanischer Länder. Es gibt Fotografien von Zieleinläufen. Gesichtsausdruck: Triumph, Erschöpfung. Üblicherweise - erklärt Strasser - hängen auch Straßenkarten mit Routen durch ferne Länder hier.

Dieser Tage - er ist jetzt seit knapp vier Wochen wieder daheim im Alsergrund - hängt allerdings ein Stadtplan von Wien an der Wand: Strasser ist - für den Moment wenigstens - angekommen und darf sich ausrasten.

Am 16. Oktober 2018 hat er die Durchquerung der amerikanischen Kontinente mit Weltrekord beendet: Bei der Ice2Ice-Challenge radelte der gebürtige Niederösterreicher in nur 84 Tagen von Prudhoe Bay in Alaska bis nach Ushuaia in Patagonien. Exakt 22.642 Kilometer. Fünfzehn Stunden saß er täglich im Sattel. Bis zu 400 Kilometer legte er am Tag zurück. Am Schluss war er fünfzehn Tage schneller als der bisherige Streckenrekordhalter Dean Stott.

Gelernter Architekt unterrichtet am Sportinstitut

Nach knappen drei Monaten zwischen Sattel und Wohnwagen ist Strasser nun wieder zurück in seiner WG gegenüber dem Arne-Carlsson-Park, die er sich mit seinen Mitbewohnerinnen Sarah und Patrizia teilt. Dass ihm die Lage im Alsergrund so gefällt, hat auch mit seinem Leben abseits strapaziöser Weltrekord-Versuche zu tun.

Seit Beginn seiner Sportlerkarriere unterrichtet der studierte Architekt am Sportinstitut der Universität Wien (USI). "Ich versuche, Wege zu minimieren. So spare ich mir zwei bis drei Stunden, die ich dann zum Trainieren verwenden kann", rechnet er vor. Momentan ist er am USI zwar karenziert - jeden Montag und Donnerstag Abend lädt er aber gegen eine freiwillige Spende zu "Freeletics"-Einheiten - "eine Art zeitgemäßes Bauch-Bein-Po". Bis zu 120 Interessierte lassen sich von dem Extremsportler zwei Stunden lang im Arne-Carlsson-Park durchs Fitnessprogramm peitschen - im Sommer wie im Winter.

Extremsport
am Rande der Rendite

Abseits dieses Sportprogramms (und seines eigenen Trainingsvolumens von 20 bis 40 Stunden pro Woche) muss sich Strasser in der nächsten Zeit auf den trockensten Aspekt seiner Karriere konzentrieren: die Verwertung und Refinanzierung seines letzten Abenteuers.