Wien. (apa/dab) Bei einem Überfall auf die Kirche Maria Immaculata in Floridsdorf sind am Donnerstag fünf Ordensbrüder verletzt worden, ein 68-Jähriger dabei schwer. Die Polizei geht von zwei Tätern aus, nach denen am Abend noch gefahndet wurde. Die beiden Männer sollen Deutsch mit ausländischem Akzent gesprochen haben.

Die Täter kamen gegen 13.30 Uhr in die Kirche der Schulbrüder in der Anton-Böck-Gasse. Dort sollen sie den 68-jährigen Ordensbruder mit einer Pistole gezwungen haben, sich auf den Boden zu legen. Der Geistliche wurde misshandelt und schwer verletzt. Auch ein weiterer Angehöriger der Ordensgemeinschaft, der ebenfalls in die Kirche kam, wurde mit Schlägen traktiert und gezwungen, sich hinzulegen.

Die weiteren Ordensbrüder wurden von der Exekutive im angrenzenden Pfarrhaus gefunden. Alle von ihnen wurden zum Teil gefesselt und geknebelt, ehe gegen 16.15 Uhr die Polizei verständigt wurde, welche die Verletzten befreite. Beamte der Sondereinheit Wega durchsuchten das Areal im Bezirksteil Strebersdorf. Die Suche wurde gegen 19.20 Uhr ergebnislos beendet.

Ein Rettungssprecher erklärte, dass dem 68-Jährigen bei dem Überfall schwere Kopfverletzungen zugefügt worden waren, er aber beim Eintreffen der Rettung ansprechbar war. Bei den übrigen vier Geistlichen im Alter zwischen 56 bis 66 Jahren wurden Prellungen festgestellt. Alle fünf wurden in umliegende Krankenhäuser eingeliefert.

Motiv unklar

Eine Terrorattacke schloss die Polizei aus. Ob das Motiv für die Tat ein Raub war, stand am Donnerstagabend nicht fest. Es gab Indizien, die darauf hindeuteten. Im Pfarrhaus wurde ein offener Safe entdeckt, aus dem eine Pistole vom Kaliber 9mm entwendet worden war, berichtete ein Polizeisprecher. Was die Tatwaffen anbelangt, so könne es sich um Werkzeuge gehandelt haben, mit denen die Opfer verletzt wurden, die Schusswaffe wurde laut dem Sprecher nicht verwendet.

Ein Zeuge, der seit sieben Jahren als Haustechniker im vis-a-vis gelegenen De-La-Salle-Gymnasium arbeitet, berichtete von einem Gespräch mit einem Geistlichen nach dem Überfall: Dieser habe ihm gegenüber behauptet, er habe einen der Täter bereits Tage zuvor in der Kirche gesehen. Womöglich wollte der Mann den Ort auskundschaften. Diese Angaben wurden seitens der Polizei jedoch nicht bestätigt. Kardinal Christoph Schönborn sagte laut Kathpress, er sei "tief betroffen" vom Überfall.

Einen Polizeieinsatz gab es am Donnerstag auch im Wiener Stephansdom, der wegen einer Bombendrohung rund eine Stunde gesperrt war. Die Polizei durchsuchte die Kirche, ein Sprengsatz wurde nicht gefunden. Die Drohung wurde laut einem Polizeisprecher von einer Telefonzelle abgesetzt und traf wenige Minuten vor Mittag beim Polizeinotruf ein.

Daraufhin wurde der Stephansdom gesperrt, Besucher wurden aus der Kirche eskortiert. Ein Teil des Stephansplatzes wurde ebenfalls gesperrt. Kurz nach 13.00 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden. Zwischen den beiden Vorfällen besteht laut Polizei kein Zusammenhang.