Wien. (rös) Im urbanen Raum sind viele Insektenarten bedroht. Dabei sind sie maßgeblich für die Bestäubung und Verbreitung von Pflanzen verantwortlich und dienen anderen Tieren als wichtige Nahrungsgrundlage. Gemeinsam mit der Forstverwaltung Bratislava und dem slowakischen Institut für angewandte Ökologie, startet die Wiener Umweltschutzabteilung nun ein dreijähriges Projekt zur Steigerung der Biodiversität in urbanen Lebensräumen in Wien und Bratislava.

"Der Verlust der Insektenvielfalt ist eine ernst zu nehmende Tatsache, die mittlerweile bei allen Gruppen der Gesellschaft mit Sorge wahrgenommen wird. Wo sind die Wiesen mit den vielen bunten Schmetterlingen geblieben, von denen unsere Eltern und Großeltern immer wieder erzählten?", meinte Wolfgang Khutter, stellvertretender Leiter der Wiener Umweltschutzabteilung MA22 am Mittwoch am Rande des Kick-off-Meetings des Projekts City Nature, dem Vertreter von der Stadt Wien und Bratislava, aber auch von der Umweltorganisation Global 2000 beiwohnten.

Insekten seien für viele Ökosysteme unverzichtbar, weil sie maßgeblich für die Bestäubung und Verbreitung von Pflanzen verantwortlich seien anderen Tieren als wichtige Nahrungsgrundlage dienen würden. "Sterben die Insekten aus, bedeutet dies unter anderem auch das Ende unserer Vogelfauna", erklärten die Experten. Und die Gründe für das Insektensterben seien auf jeden Fall von Menschenhand gemacht. Landwirtschaftliche Monokulturen, Pestizideinsatz aber auch die Klimaerwärmung würden dazu beitragen, dass die Biodiversität der Insekten bereits seit Jahren drastisch abnimmt.

Bereits 30 Prozent des Stadtgebietes unter Schutz

Die MA22 setze daher in und für Wien unterschiedlichste Maßnahmen, um dem Insektensterben entgegenzuwirken. So wurde bereits im Jahr 2000 das Netzwerk Natur ins Leben gerufen, das Arten- und Lebensraumschutzprogramm der Stadt Wien, welches auch im Wiener Naturschutzgesetz verankert ist, so Khutter.

Gebiete mit ökologisch wertvollen Lebensräumen und Artenvielfalt oder solche, die sich durch eine besondere landschaftliche Ausprägung auszeichnen, werden durch die Naturschutzbehörde zu Schutzgebieten erklärt. Inzwischen stehen rund 30 Prozent des Wiener Stadtgebiets unter Schutz. Mitmachaktionen, wie der Tag der Artenvielfalt oder ein umfassendes Exkursionsangebot für Schulklassen würden dazu beitragen, die Wertigkeit der Biodiversität in der Bevölkerung nachhaltig zu verankern, wie betont wurde.

Mit dem Projekt City Nature soll nun ein neuer Meilenstein zum Schutz der Wiener Biodiversität gesetzt werden. Mit den strategischen Projektpartnern MA49 (Forst- und Landwirtschaftsbetriebe), MA42 (Stadtgärten), MA18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung), MA21 (Stadtteilplanung und Flächennutzung) und dem Biosphärenpark Wienerwald sollen die gesteckten Ziele bestmöglich umgesetzt werden.

Im Laufe der nächsten drei Jahre sind vielfältige Aktivitäten und Veranstaltungen in enger Zusammenarbeit mit den Leadpartnern aus der Slowakei geplant, die über Artenvielfalt und deren Schutzmöglichkeiten und -maßnahmen informieren sollen sowie zum Mitmachen oder selber umsetzen anregen möchten. Auch neue Dienstleistungen und begleitende Aktivitäten zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit stehen unter anderem auf der Agenda.

Tag der Artenvielfalt mit Sensenmähkursen im Juni

So findet am 22. Juni erstmals ein internationaler Tag der Artenvielfalt statt, bei welchem Experten unter anderem über Wissenswertes rund um Insekten und Gebäudebrüter informieren. Geplant sind auch Sensenmähkurse, bei denen alle, die schon immer einmal eine Sense schwingen wollten, in die richtige Technik eingewiesen werden, aber auch wichtige Hintergrundinformationen rund ums händische Mähen und dessen Vorteile erhalten.

Neben den Insekten stehen auch die Konsumenten dieser eiweißreichen Nahrung, Fledermäuse und Mehlschwalben im Fokus von City Nature. Durch Telemetrie werden die Wochenstuben (Fortpflanzungsstätten) von seltenen Fledermausarten, etwa vom Großen Mausohr und dem Grauen Langohr erforscht. Darüber hinaus werden die Lebensumstände der Mehlschwalbe in Wien und Bratislava über einen längeren Zeitraum erhoben und analysiert. Im Vordergrund steht hier die Ableitung von Schutzstrategien, um den Bestand dieser Arten in Wien und Bratislava langfristig erhalten zu können.

Das Projekt wird im Rahmen des Interreg V-A SK-AT-Kooperationsprogramms durchgeführt, das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert wird.