Wien."Glaub mir, es ist nicht Autofahren. Es ist eine Philosophie", sagt Ernst B., während er mir die Türe seines Tesla, Modell S, aufhält. Ernst ist ein eingefleischter E-Auto-Fan und Freund. Ich setze mich in den nicht ungemütlichen, hart gepolsterten Ledersitz, versuche mich sehr ungeschickt anzuschnallen, wie hypnotisiert starre ich auf den großen, vertikalen Flatscreen in der Mitte des Cockpits. Nur zwei Druckknöpfe befinden sich am ganzen Armaturenbrett: Einer für die Warnblinkanlage, einer für das Handschuhfach. In dem Moment, in dem meine Hand nach links unten greift, um den Sitz einzustellen, richtet sich die Lehne auf. Der Sitz fährt langsam nach vorne, das Lenkrad senkt sich mit einem leisen Summen auf die Griffnähe meiner Hände.

"Von 0 auf 100 in 2,7 Sekunden

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Ernst tippt die Route auf dem Bildschirm ein: "Gasthaus Jell, Hoher Markt, Krems". Ein Ladezustand von 70 Prozent und eine Fahrzeit von 1 Stunde und 8 Minuten werden angezeigt. Ankunft mit einem Ladezustand von 54 Prozent - bei einer vorher eingegebenen Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern und dem Drive-Modus "Normal". Als Alternative gibt es die Einstellungen "Sportlich" und "Von Sinnen".

"So, und jetzt auf die Bremse steigen, den linken Hebel an der Lenksäule hinunterdrücken und los gehts", sagt Ernst. Mit einem vorsichtigen Tippen meines Fußes auf das Gaspedal setze ich das 2,4 Tonnen schwere Gefährt lautlos in Bewegung. Die Landschaft zieht an uns vorbei als wären wir schwerelos. Von 0 auf 100 in 2,7 Sekunden - und das ohne ohrenbetäubendem Aufheulen des Motors sorgen für ein Kribbeln im Bauch und einen Adrenalinausstoß im Gehirn, der jedes Beschleunigungs-Junkie-Herz zum Rasen bringt. Von Sinnen? Ja, das sind wir!

Bei der Rückfahrt zeigt mir Ernst den Autopiloten. Wenn er eingeschaltet ist, muss man alle 30 Sekunden das Lenkrad berühren, damit er auch aktiv bleibt. "Das haben die wegen der Sicherheit gemacht. Weil ganz am Anfang haben sich Pärchen auf der Autobahn auf die Rückbank geworfen und eine Nummer geschoben", erzählt Ernst und lacht laut auf. Das sei jetzt nicht mehr möglich. Ignoriert man nämlich die Aufforderung, das Lenkrad zu berühren, gibt es eine lauten Alarm, rot blinkendes Licht und der Autopilot bremst das Fahrzeug bis zum Stillstand ab und fährt an den Fahrbahnrand. "Wenn das passiert, dann lässt sich der Autopilot mindestens 20 Minuten lang nicht mehr einschalten. Das ist die Strafe. Das Auto verhält sich manchmal wie ein trotziges Kind", sagt Ernst.