Die Wohnungen der alten Siedlung waren nach den damaligen Bestimmungen des sozialen Wohnbaus 60 bis 70 Quadratmeter groß. Adolf Repa wohnte mit seinen Eltern und seiner Großmutter bis 1973 dort. "Ich habe mit meiner Großmutter bis zu meinem 22. Lebensjahr im Kabinett geschlafen. Das war damals einfach so." Nach seiner Heirat übersiedelte Repa mit seiner Familie in den Olof-Palme-Hof. "Wir waren damals eine der ersten Mieter, die eingezogen sind. Für mich war es der pure Luxus. Es gab einen riesigen Balkon und einen Müllschlucker am Gang." Die Per-Albin-Hansson-Siedlung hat sich mit den beiden weiteren Siedlungsteilen vom Dorf zur Kleinstadt entwickelt.

Roswitha Abdalla

Der zweite, eher unbekanntere Teil, die Per-Albin-Hansson-Siedlung-Nord mit 532 Wohnungen, entstand von 1964 bis 1971. Die dreistöckigen Wohnhäuser waren die ersten Plattenbauten Wiens. Die Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost ist der jüngste und auch größte Abschnitt zu der auch der markante Olof-Palme-Hof mit dem Hanssonzentrum zählt. Insgesamt entstanden dort zwischen 1966 und 1977 rund 5000 Wohnungen. Sowohl die Ost- und wie auch die Westsiedlung wurden saniert.

"Als wir Anfang des Jahres 1950 mit unserem aus Schweden mitgebrachten Hausrat in der Per-Albin-Hansson-Siedlung einziehen wollten, wäre der Lastwagen im Morast der aufgeweichten, noch nicht asphaltierten Straße fast umgekippt", erinnert sich Margit Fischer, die Frau des Ex-Bundespräsidenten, in dem Zeitzeugen-Buch "Die gute Siedlung", in dem auch Alfred Repa wie auch Roswitha Abdalla und Norbert Hofer verewigt sind.

Roswitha Abdalla ist vor 48 Jahren, Norbert Hofer vor 38 Jahren in die Per-Albin-Hansson-Siedlung gezogen. "Ich war damals 20 Jahre alt und mein Mann und ich haben im 15. Bezirk in einer Zimmer-Küche-Wohnung gewohnt. Es gab kein Wasser und das WC war am Gang. Wir sind ins Tröpferlbad duschen gegangen oder haben uns in der Lavoir gewaschen. Unsere Wäsche haben wir in die Münzwäscherei getragen. In der Hansson-Siedlung habe ich mich dann wie im Paradies gefühlt. Es war beeindruckend. Ich konnte erstmals in meiner eigenen Wohnung ein Bad genießen. Und in der Nebenstiege gab es eine Waschküche", so Abdalla.

Die 68-Jährige wohnt noch immer in derselben Wohnung, in die sie am 31. Oktober 1971 eingezogen ist. "Solange ich die Wohnung selbst betreuen kann, bleibe ich." Die Vielfältigkeit mache den Charme der Hansson-Siedlung aus. "Es ist wichtig, dass hier kein Ghetto entsteht", betont Abdalla.

14.000 Bewohner

Norbert Hofer, der im Rollstuhl sitzt, ist vor 38 Jahren nicht ganz freiwillig in die Hansson-Siedlung übersiedelt, wie er erzählt. "Das war die einzige Chance für mich, eine behindergerechte Wohnung zu bekommen. Es war wie Weihnachten für mich - ich bin nämlich am 24. Dezember eingezogen", erinnert er sich. Und seitdem ist Hofer der Hansson-Siedlung treu geblieben. "Die Wohnqualität ist gut. Es gibt ein paar Konflikte mit einigen Bewohnern, aber die können wir besänftigen."

Heute leben in der Per-Albin-Hansson-Siedlung 14.000 Menschen - so viele wie in Eisenstadt. Es gibt neun Schulen, 22 Ärzte, zwei Apotheken, ein Jugendzentrum, eine Bibliothek und ein Einkaufszentrum. Von den 1,5 Millionen Quadratmetern sind 400.000 Quadratmeter mit Wohnungen - alles Gemeindewohnungen - verbaut. Die städtische Wohnhausanlage ist Teil der Internationalen Bauausstellung "IBA_Wien", bei der bis 2022 Projekte mit dem Thema "Neues soziales Wohnen" im Fokus stehen. Das Buch "Die gute Siedlung", in dem Zeitzeugen ihre Geschichte schildern, ist in allen Wiener Wohnpartner-Lokalen erhältlich.