Alexander Obsieger plant weitere Unverpackt-Läden. - © Feiel
Alexander Obsieger plant weitere Unverpackt-Läden. - © Feiel

Wien. Es fühlt sich fast an, als ob die Zeit stehen geblieben wäre, wenn man die Greißlerei in der Albertgasse betritt. Obst und Gemüse lagern in Weidenkörben und Plastiksteigen, Müsli, Nudeln und Nüsse gibt es zum Selbstabfüllen aus großen Glasgefäßen, und wer ein Stück vom Allgäuer Weichkäse oder dem Ziegenfrischkäse haben möchte, der bringt seine eigene Dose mit.

"Der Greißler" ist ein sogenannter Unverpackt-Laden: Hier werden die Produkte überwiegend lose und - so weit möglich - ohne Verpackung angeboten. Braune Papiersackerl für Obst oder Gemüse gibt es gratis, sonst bringt jeder seine eigenen Gefäße mit. Nur manche Produkte wie Honig oder Joghurt gibt es bereits abgepackt in wiederverwendbaren Schraubgläsern.

Alexander Obsieger, ein gelernter Matrose, hat das rund 50 Quadratmeter große Geschäftslokal in der Josefstadt vor rund drei Jahren eröffnet, weil ihm, wie er sagt, ein nachhaltiges Konzept im Einzelhandel gefehlt hat. Mittlerweile beschäftigt er zwei Mitarbeiter und denkt über einen weiteren Standort nach.

Außerdem wird Wert auf regionale und biologische Ware gelegt, auch wenn nicht alle Produkte österreichisch oder mit Bio-Zertifikat sind. Das ist oft der Fall bei kleinen Produzenten, bei denen eine Zertifizierung ein zu großer Aufwand wäre. Die allermeisten seiner Lieferanten kennt Obsieger aber persönlich und vertraut ihnen: Die Suppenwürze kommt von Daniela aus dem 13. Bezirk, Karin aus dem 11. Bezirk liefert Müsli.

Manchmal sind es auch pragmatische Gründe, weshalb ein Produkt nicht regional angeboten wird: Ob es denn auch Süßkartoffeln aus Österreich gäbe, fragt eine Kundin. Nein, da habe die Qualität nicht gepasst, antwortet Obsieger. "Die sind mir zu schnell gatschig geworden."

In den drei Jahren seit der Eröffnung der Greißlerei hat sich das Sortiment nach und nach auf den heutigen Umfang erweitert. "Am Anfang hatte ich 25 Produkte, da hatte ich alles nicht", lacht Obsieger. Heute gibt es neben Obst, Gemüse und Grundnahrungsmitteln auch Kosmetika in wiederverwendbaren Tiegeln, Strohhalme aus Stroh, Brotboxen oder Salatbeutel. Doch auch jetzt ist das Sortiment lange noch nicht komplett: Aktuell führt Obsieger Gespräche mit der nahegelegenen Apotheke, die für ihn eine Sonnencreme entwickeln soll, unverpackt und zum Selbstabfüllen, versteht sich. Und eine Kundin, die gerne Kleie für ihr Müsli gekauft hätte, vertröstet er: "Sag niemals nie."

Fleisch auf Bestellung

Es gibt jedoch auch Produkte, die beim unverpackten Greißler fehlen, weil sie schlicht nicht lieferbar sind. Dazu zählen etwa pflanzliche Milchalternativen. Er habe schon mit den bekannten Marken alpro und joya gesprochen, keiner davon wolle auf den Einweg-Tetrapack verzichten. Das würde nicht funktionieren, es gäbe keinen Markt, so die Argumentation der Hersteller, berichtet Obsieger. Eine Zeit lang gab es selbstproduzierte Pflanzenmilch in der Greißlerei, aber da habe sich der zeitliche Aufwand einfach nicht rentiert, bei drei Liter in einer halben Stunde. "Es muss alles auch betriebswirtschaftlich Sinn machen."