Wien. Tierschutzvereine, Hilfsorganisation, wohltätige Stiftungen: Dass solche Vereinigungen von Erblassern gerne begünstigt werden, ist altbekannt. Weniger geläufig ist jedoch, dass auch so manche Großstadt in Testamenten bedacht wird - mit durchaus erklecklichen Summen.

So hat die Stadt München laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" in den vergangenen zehn Jahren Vermögen im Wert von 83 Millionen Euro geerbt. Durchschnittlich 20 Nachlässe erhält sie im Jahr, darunter auch eher ungewöhnliche: 2016 erbte sie Samuraischwerter, Rüstungen und eine besonders wertvolle Skulptur eines Koi-Karpfens.

Die Stadt Wien spielt hier in einer deutlich kleineren Liga: Jährlich wird sie zwei bis drei Mal bedacht, heißt es seitens der Magistratsdirektion. Dabei kann es sich um Vermächtnisse handeln, also einzelne Vermögenswerte wie ein Sparbuch oder eine Münzsammlung. Manchmal wird sie vom Erblasser aber auch als Allein- oder Miterbin eingesetzt. In ganz seltenen Fällen hat sie bereits Immobilien geerbt.

Bayerin und Stephansdom

Wie viel Geld die Stadt dadurch genau erhalten hat, lasse sich nur schwer beziffern, erklärt eine Sprecherin der Magistratsdirektion. Teils handle es sich um Kunst- und Kulturgegenstände, die sich nicht schätzen lassen, bei Immobilien müssten oft hohe Kosten für die Instandhaltungen und sonstige Verbindlichkeiten abgezogen werden. Es könne auch vorkommen, dass die Stadt nur als Vermittler auftrete: "Vor kurzem hat eine Dame aus Bayern die Stadt Wien als Teilerbin eingesetzt. Das Geld soll in die Erhaltung des Stephansdoms fließen." In einem solchen Fall gehe es darum, die rechtlichen Fragen zu klären und das Geld gemäß der Vorgabe der Dame weiterzuleiten.

Einen Richtwert gibt es aber hinsichtlich reiner Geldbeträge: Diese haben - etwaige Aufwendungen bereits abgezogen - in den vergangenen drei Jahren rund 326.000 Euro ausgemacht.

Das ist ein deutlich geringer Wert als in München - obwohl Wien mit rund 1,9 Millionen Menschen mehr Einwohner als München (1,45 Millionen) hat. Wie erklärt sich diese Diskrepanz? "Es hängt ein bisschen mit der Philosophie zusammen, wie die Bürger ihre Stadt erleben", sagt Günther Lutschinger, Spendenexperte und Geschäftsführer des "Fundraising Verbands Österreich". In Deutschland werde das bürgerschaftliche Engagement in den Städten nicht nur in Vereinen ausgelebt, sondern auch auf finanziellem Wege: "Dort gibt es Bürgerstiftungen für alle möglichen kommunalen Anliegen." Das schaffe ein intensiveres Verhältnis zwischen Bürgern und ihrer Stadt, erklärt Lutschinger. In Wien kümmere sich die Stadt hingegen weitestgehend selbst um die Finanzierung der kommunalen Dienstleistungen.