Die Dienstleistungen und Hilfeleistungen der Stadt Wien sind aber oft das Hauptmotiv für die Erblasser, die Stadt Wien ins Testament aufzunehmen. Eine Krankenschwester, deren Ausbildung ihr durch die Stadt ermöglicht wurde; ein Mann, der in einer prekären Situation eine Wohnung erhalten hat: Sie haben in ihrem Testament etwa die Stadt bedacht. Auch die "Bewunderung für den verstorbenen Altbürgermeister Helmut Zilk" wurde früher als Motiv genannt.

Bürokratischer Aufwand

Zumeist legt der Erblasser testamentarisch fest, wie das Erbe zu verwenden ist. Überwiegend sind es karitative Zwecke, wie etwa Zuwendungen an Obdachlose und arme Kinder. An diese Vorgaben ist die Stadt Wien als Erbin gebunden. Ob sie das Erbe aber tatsächlich antritt oder das Vermächtnis annimmt, hängt vor allem davon ab, wie hoch der Wert im Verhältnis zu den damit verbundenen Kosten steht.

Gemeinsam sei den meisten Fällen, dass sie mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden sind, heißt es seitens der Magistratsdirektion. Oft beträgt die Bearbeitungsdauer über ein Jahr: Denn notarielle Verfahrensschritte müssen abgewartet, mögliche Forderungen und Verbindlichkeiten geprüft, möglicherweise Sachverständige beigezogen werden.

Anrufe und Plastiksackerl

Von der Quantität her weit bedeutender sind für die Stadt Wien Schenkungen aus dem Kunstbereich. "Jeden Tag rufen uns Menschen an, die uns nach dem Ableben von Verwandten deren Objekte anbieten", erklärt Matti Bunzl, Direktor der Museen der Stadt Wien. Automatisch angenommen werden diese Angebote nicht. Es werde erst geprüft, "ob die Objekte relevant sind, um die Geschichte der Stadt Wien zu erzählen", sagt Bunzl.

Alle paar Jahre wird die Stadt auch mit vollständigen, künstlerischen Nachlässen bedacht - darunter durchaus bedeutende. 2018 erhielt das Wien Museum etwa den Nachlass von Karl Schwanzer, einem der einflussreichsten Wiener Architekten der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. "Er war von dessen Sohn, Martin Schwanzer, vorbildlich aufgearbeitet. Er wollte den Nachlass zusammengehalten und in einer Institution wissen, der er vertraut und die er schätzt", so Bunzl.

An die Wienbibliothek ging nach seinem Tod 2003 der Nachlass des berühmten Opernkritikers Marcel Prawy, darunter auch seine legendäre, von ihm signierte Plastiksackerlsammlung.