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Werbezielgruppe "bekennende Lesben"? Der Betreiber des Shops will von dem Inhalt seiner Website nichts gewusst haben. - © Screenshot
Werbezielgruppe "bekennende Lesben"? Der Betreiber des Shops will von dem Inhalt seiner Website nichts gewusst haben. - © Screenshot

So mancher Unternehmer lässt sich ungewöhnliche Werbe-Aktionen einfallen, um seinen Umsatz anzukurbeln und neue Kundinnen anzulocken.

Zuletzt konnte man die oben im Original zitierte "Lesben-Aktion" am Mittwochvormittag auf der Website eines Wiener Craftbeershops lesen. Kurze Zeit später war der Inhalt verschwunden. Die "Wiener Zeitung" hat vor Ort nachgefragt, wie es zu so ungewöhnlichen Rabatten kommt.

Bei dem Biershopbetreiber handelt es sich just um jenen Mann, der die Ex-Grüne Politikerin Sigrid Maurer wegen übler Nachrede und Kreditschädigung klagte, nachdem diese ihm zugeschriebene, obszöne Facebook-Nachrichten ohne Anonymisierung veröffentlicht hatte.

"Das macht der Vorbesitzer"

Der Mann, der inmitten hunderter in Regalen gestapelter Bierflaschen aus aller Welt vor seinem Computer sitzt, sagt, er wisse nichts von der Aktion. Auf die Frage, ob womöglich eine andere Person wieder Zugriff zu seinem Computer gehabt haben könnte, verneint der Unternehmer. "Nein, es hat niemand Zugriff hier! Die Website macht der Vorbesitzer. Ich kenne mich da nicht aus."

Wie landen also Inhalte auf der Website? Im Prozess behauptete seine Lebensgefährtin – und auch der Shopbetreiber selbst – dass er sich nicht mit dem Computer auskenne und auf einen Zettel vorschreibe, welche Informationen der Vorbesitzer des Geschäfts auf die Website stellen solle.

Er dreht sich rasch zum PC, ruft die Homepage auf und möchte wissen, wo die "Lesben-Aktion" zu finden sei. Er zeigt sich überrascht, als er die Worte liest. Auf der Homepage ist die Aktion, die lesbische Bierliebhaberinnen anlocken soll, allerdings mindestens seit Ende Juni.

Am Mittwochvormittag scheint er im Umgang mit dem Computer nicht ungeschickt. Er öffnet sehr schnell die Website und findet sich dort recht gut im Menü zurecht. Binnen Sekunden hat er die "Lesben-Aktion" vor sich und meint, er werde sie gleich löschen. Ob er selbst im Content-Management-System die ungewöhnliche Sale-Werbung entfernte oder binnen weniger Minuten den Vorbesitzer erreichen konnte, bleibt unklar.

Ungewöhnlich scheint jedenfalls, dass ein Shopbetreiber wochenlang nicht merkt, welche Rabatt-Aktionen sich auf seiner Website befinden.