Wien. "Ich habe einfach angesucht um eine Weiterverwendung. Das hat funktioniert. Zum Glück", meint Lukas Bernhart im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erfreut. Er setzt sein Lehramtsstudium in Mathematik und Sport fort und unterrichtet gleichzeitig auch im neuen Schuljahr an einer Mittelschule in der Brigittenau. Eine Sonderregelung ermöglicht ihm wie hunderten anderen neben dem Studium eine halbe Lehrverpflichtung.

Mit solchen Sonderverträgen wird das teilweise Fehlen von Pädagogen kompensiert. Die Wiener Bildungsdirektion ortet aber vor dem Start des neuen Schuljahres, das in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland in gut einer Woche beginnt, in den Allgemein Bildenden und Berufsbildenden Höheren Schulen vor allem in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern einen Mangel an Lehrern. Das betreffe vor allem Informatik, Mathematik, Physik und Chemie.

Besserung gegenüber
der Zeit vor fünf Jahren

Das hat laut Bildungsdirektion auch damit zu tun, dass Schuldirektoren Lehrer suchen, die Zusatzqualifikationen über den Lehrberuf hinaus aufweisen. Dabei geht es etwa um die Betreuung der IT am jeweiligen Schulstandort. Für Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern sorgt aber auch, wenn zusätzliche Tätigkeiten damit verbunden sind. Das gilt für Kustodiate und Lehrmittelsammlungen an den Schulen. Schließlich gibt es Engpässe beim praktischen Unterricht, wenn es um Elektrotechnik oder Maschinenbau geht.

Was die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer betrifft, so sieht Marianne Korner, die selbst im 15. Bezirk unterrichtet, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" durch eine Offensive in diesem Bereich bereits "definitiv" eine Besserung der Situation und einen "Wendepunkt". "Vor fünf Jahren war das noch anders", bilanziert sie. Ein Mitgrund für mehr Bewerber war zuletzt auch der Umstieg auf das neue Lehrerdienstrecht. Dieses bringt zwar etwas höhere Einstiegsgehälter, danach jedoch eine deutlich flachere Gehaltskurve. Viele angehende Lehrer, die mit dem Studium noch nicht fertig waren, hätten schon zu unterrichten begonnen, um noch das "alte" Dienstrecht in Anspruch nehmen zu können.

Genaue Zahlen, wie viele Lehrer tatsächlich fehlen und benötigt werden, kann die Bildungsdirektion nicht nennen. Das wird erst Anfang September klar werden, wenn die Nachprüfungen absolviert sind und die genauen Schüler- und Klassenzahlen feststehen. Insgesamt gibt es in Wien rund 240.000 Schüler und rund 26.000 Lehrer.

In den Wiener Volksschulen sind Schuldirektoren mit einem anderen Problem konfrontiert. Dort herrscht eher ein Mangel an Vollzeitlehrkräften. Das bedeutet Lehrerinnen, denn der Großteil ist weiblich. Die Wiener Bildungsdirektion nennt dafür zwei Hauptgründe: Ein Teil der Lehrerinnen reduziert nach der Geburt eines Kindes und nach der Karenzzeit das Unterrichtspensum auf eine halbe Lehrverpflichtung. Andere machen dies, um parallel das Masterstudium zu beenden.

Um den Mangel an Lehrern zu bewältigen, behelfen sich in Wien Schulen und Bildungsdirektion daher mit den Sonderverträgen für Lehramtsstudenten. Von knapp 2000 entfielen allein 1156 im vergangenen Schuljahr auf Pflichtschulen, gut 500 auf AHS und rund 260 auf Berufsbildende Mittlere und Höhere Schulen. "Wir haben jetzt schon eine sehr hohe Anzahl an Sonderverträgen", betont der Vorsitzende der Gewerkschaft der Pflichtschullehrer, Walter Kimberger: "Das Problem wird im Moment nicht kleiner." Schließlich gebe es auch in den kommenden Jahren noch eine hohe Zahl an Pensionierungen.

Lieber in den Bundesländern als in Wien unterrichten

Für ihn kommt ein weiterer Effekt dazu. Vor allem Niederösterreich "saugt", wie es Kimberger formuliert, Lehrer, die zuvor an einer Schule in Wien unterrichtet haben, ab. Pädagogen würden außerdem auch in ihre Heimat in anderen Bundesländern zurückkehren, weil es dort nun Stellen für sie gebe. Nicht zuletzt der hohe Anteil an Kindern von Migranten, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, macht das Unterrichten in Wien alles andere als einfach. "Die Herausforderungen sind in anderen Bundesländern nicht so wie in Wien", erklärt Kimberger der "Wiener Zeitung".

Dabei sind speziell die Bildungsdirektionen in Wien und Niederösterreich seit eineinhalb Jahren um eine bessere Abstimmung bei der Anstellung von Lehrern bemüht. Das gilt etwa bei Informationen über Doppelbewerbungen oder wenn in einem der beiden Länder Plätze frei sind.

In einer ganzen Reihe von Fächern gibt es allerdings vor dem Schulstart ein Überangebot an Bewerbern für Lehrerposten. Laut Bildungsdirektion ist das besonders bei Geschichte, Französisch, Spanisch, Italienisch sowie bei Psychologie und Philosophie der Fall. Die Lage wird dadurch verschärft, dass im Schuldienst befindliche Lehrer warten, in einem Zweitfach zu unterrichten.