Das Professorenkollegium der Akademie für bildende Künste Wien fürchtet sich vor GMF. 1948 formulieren sie ihren Unmut in einem Brief an das Bildungsministerium. 1949 folgt ein ähnlicher Brief von den Studierenden. Auch sie scheinen sich zu fürchten. "Wir haben es als Erwachsene endgültig satt", schreiben sie dort. Sie wollen sich nicht von einer anmaßenden Frau wie Schuljungen behandeln lassen. Sie kritisieren den "preussisch-militärischen Befehlston, noch dazu von einer Frau".

"Wer hat Angst vor GMF?" 70 Jahre später stellen zwei Absolventinnen der Akademie für bildende Künste, Agnes Peschta und Hannah Menne, diese Frage und fordern ein Erinnern an GMF, an Gerda Matejka-Felden. Im Rahmen der Wienwoche wollen sie die in Vergessenheit geratene Geschichte der ersten Professorin an der Akademie sichtbar machen.

"Arbeitslose werden Künstler"

Einerseits, eine Geschichte, die schnell erzählt werden kann: Geboren 1901 in Deutschland. Sie studiert an der Malerschule in Worpswede und an der Akademie der Graphischen Künste Leipzig. 1924 kommt sie nach Wien. Einige Jahre später – nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe – lernt sie den Antifaschisten Viktor Matejka kennen und heiratet ihn. Sie beginnt sich in der Volksbildung zu engagieren und gründet im Volksheim Ottakring die Fachgruppe Zeichnen und Malen.

Ab diesem Zeitpunkt wird ihre Biografie eine Geschichte, die auch viel über gesellschaftliche Realitäten erzählt. "Arbeitslose werden Künstler", titelt das Wiener Magazin 1936 Jahren und bezeichnet die Ottakringer Fachgruppe als eine "interessante Erscheinung privater Arbeitslosenfürsorge auf geistigem, künstlerischem Bereiche". Eine Meinung, die nicht überall geteilt wird. Die künstlerische Elite, hält wenig davon, dass jede Person eine künstlerische Ausbildung erhalten kann.
Es folgt der Zweite Weltkrieg. Das Ehepaar Matejka erhält ein Berufsverbot. Mehr noch: Viktor Matejka kommt mit dem ersten Gefangenentransport in das Konzentrationslager Dachau, das er überlebt. Es verwundert, dass ausgerechnet Matejka-Felden nur kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zur ersten Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien berufen wird und dort die von den Nationalsozialisten gegründete "Meisterklasse für Kunsterziehung" leitet. Eine Entscheidung, die vermutlich auf politischen Überlegungen basiert: "Wir gehen davon aus, dass es eine Art Deal war", erzählt Agnes Peschta, die sich schon seit Jahren mit der Biographie von Matejka-Felden beschäftigt. "Eine Frau zu nehmen, war damals schon aufregend, noch dazu eine linke Frau. Da gab es wohl die Hoffnung im Entnazifizierungsprozess Milde zu erfahren".

Empörung der akademischen Elite

Die Berufung wird schon bald von vielen bereut. Ein Grund dafür: Neben ihrer Tätigkeit an der Akademie, gründet sie die "Künstlerische Volkshochschule" und später die "Wiener Kunstschule". Die dort für alle zugänglichen Kurse werden bis zum Umzug 1963 im Souterrain der Akademie abgehalten. Die zunehmende Empörung einer standesdünkelnden Akademie ist kaum zu verhindern, sagt Peschta: "Durch ihr Engagement in der Volksbildung stellt sie sich gegen das elitäre Verständnis von Kunst." Hannah Menne ergänzt: "Sie ist eigentlich eine Humanistin."

Auch ihre unbequeme Art sich Gehör zu verschaffen, allen voran als Frau und innerhalb einer Bildungsstätte, die im Nachkriegsösterreich mit ehemaligen NS-Mitläufern besetzt ist, wird nicht gerne gesehen. "Gerda Matejka-Felden hatte Ecken und Kanten. Als Frau rief das damals Provokationen hervor", so Peschta.

In den Jahren 1948 und 1949 folgen die Briefe vom Akademie-Professorenkollegium und von ihren Studierenden, in denen der Bildungsminister aufgefordert wird, sie zu entlassen. Es bleibt bei einem Warnbrief an Matejka-Felden vonseiten des Ministeriums. In der Akademie beginnen Studierende zu streiken, fordern dazu auf öffentlich gegen die Professorin aufzutreten.

Letztendlich ist es die Professorin selbst, die ein Disziplinarverfahren fordert, um die Vorwürfe gegen sie aus der Welt, vor allem aus der Akademie, zu schaffen. Matejka-Felden habe ihre Kollegen als Waschlappen bezeichnet, findet sich dabei ebenso in der Anklageschrift wie der "Vorwurf", sie habe sexuelle Belästigung als Schweinerei verurteilt. Nur in wenigen Punkten wird sie schuldig gesprochen. Während des Verfahrens wird sie beurlaubt, als Folge des Verfahrens arbeitet sie noch für ein halbes Jahr mit einem reduzierten Einkommen. Sie bleibt aber bis 1972 an der Akademie, nicht mehr als Leiterin der Meisterklasse, sondern als Lehrende.

Aufarbeitung weiblicher Geschichte

"Heute ist ein Vortrag im Gerda Matejka-Felden Saal". Diesen Satz würde Menne künftig gern hören. Matejka-Felden und ihr Wirken als Pionierin in der Volksbildung in einem männlichen, elitären und keineswegs entnazifizierten Umfeld soll sichtbar gemacht werden. Durch die Benennung eines Hörsaals, durch eine Büste, aber vor allem durch die Aufarbeitung weiblicher Geschichte. So die an die Akademie gerichtete Forderung von Peschta und Menne, die mit dieser Aufarbeitung in Form einer ihr gewidmeten Radiosendung und einer Kundgebung beginnen. Matejka-Felden soll dabei gefeiert, die Erinnerung an sie aufgefrischt und die Akademie zum Handeln aufgerufen werden.

"Die Akademie selbst hat zwar nicht die Entscheidungskraft, um einen Saal umzubenennen. Trotzdem können Dinge entweder in Angriff genommen oder akzeptiert werden. Druck aufzubauen, damit sich Dinge ändern, ist auch Aufgabe der Kunst", sagt Menne.

Dass erst Mitte der 1990er die zweite Professorin an die Akademie berufen wird, zeige deutlich die Notwendigkeit, sich mit der Sichtbarkeit von Frauen im akademischen und künstlerischen Betrieb – auch historisch – auseinanderzusetzen, erklärt Peschta: "Wenn es nichts mehr besonders ist, dass eine Frau Professorin ist, ändert sich auch etwas im Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Das muss auch auf akademischer Ebene passieren. Jeder Student und jede Studentin muss wissen, in was für eine Geschichte er oder sie tritt".